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Freigänger oder Wohnungskatzen?

Oft ernten wir Unverständnis, auch Ablehnung, wenn wir darauf dringen, daß die Tiere, die wir vermitteln, nur in der Wohnung gehalten werden. Aber wir haben unsere Gründe. Frankfurt und Umgebung ist nun mal nicht das Paradies, in dem Tiere sich gefahrlos im Freien bewegen können. Überall gibt es Nachbarn, denen Tiere nicht angenehm sind, die sich über freilaufende Katzen beschweren oder zu drastischen Mitteln greifen. So erreichte uns ein Anruf aus Oberrad.

Auf einem Gelände streunten vier Katzen umher, die zwar jemanden gehörten, aber nicht in die Wohnung dürften. Die Anruferin klang, als sei ihr das Wohl der Katzen gar nicht so wichtig, als störe sie eher der Anblick der Tiere. Also war Vorsicht geboten. Bevor wir eine Fangaktion starten, wollten wir lieber den Fall uns vor Ort ansehen, erst mit der Beschwerdeführerin persönlich reden. Bei diesem Gespräch wurde ein Verdacht geäußert, wem die Tiere gehören könnten. Also hin zu der Adresse. Die Dame kannten wir! Sie besaß vier Langhaarkatzen, die eben die Freiheit hatten, in der Nachbarschaft umherzustreifen, wenn sie das Bedürfnis danach verspürten. Diese Katzen machten alle einen guten Eindruck, waren zutraulich, verschmust. Ihr Fell war in tadellosem Zustand. Sie waren auch alle in der Wohnung und benahmen sich nicht so, als sei dies für sie ungewohnt. Wir sahen keinerlei Grund oder Anlaß, diese Katzen "einzufangen", warnten aber die Dame davor, daß ihre Nachbarschaft nicht katzenfreundlich sei. Freigängern die Freiheit zu nehmen ist schwierig, aber die Dame wird versuchen, ihre Lieben mehr in der Wohnung zu halten, um "Unfällen" vorzubeugen.

  Viele Katzen, meine Katze - deine Katze
Unbestritten, Katzen sind etwas Schönes, und wer im Heim vor unserer Mutter-mit-Kind-Station steht, kann sich nur schwer wieder losreißen. Die Kleinen sind bezaubernd. Aus den verspielten, balgenden, wuseligen Jungen werden bildschöne, mehr oder weniger elegante oder auch tollpatschige Erwachsene.

Sie sind immer noch bezaubernde Geschöpfe, aber sie setzen nun ihrerseits je wieder eine Hand voll entzückender Jungen in die Welt usw. Womit wir wieder beim alten Thema "Geburtenkontrolle" wären. Wer eine eigene Katze hat, stellt sich meist rechtzeitig dem Problem und läßt sie kastrieren, aber wie sieht es mit den freilebenden "Wildlingen" aus?

Tierschutzorganisationen wie wir versuchen auch hier "familienplanerisch" zu wirken und nehmen Kastrationen in freilebenden Katzenkolonien vor.

Eine solche Kolonie lebte auf dem Gelände eines alten Bauernhofs in Bergen. Es waren mittlerweile zehn Tiere, die dort beheimatet waren, davon zwei eindeutig trächtig, der Nachwuchs würde in wenigen Tagen geboren. Um die Verdopplung des Katzenbestandes zu verhindern, war Eile geboten. Eine Nachbarin informierte uns; wir setzten uns mit dem Bauern in Verbindung und erhielten die Erlaubnis, die Tiere einzufangen und zu kastrieren - natürlich müßten wir selbst die Kosten tragen. Weiterhin wurde verabredet, daß diejenigen Tiere, die zugänglich und zahm wären, vermittelt werden könnten, die zu erwartenden Jungen würden wir aufnehmen, sofern eine Operation der Kätzinnen nicht mehr möglich ist. Die unzähmbaren Wilden könnten wieder auf das Gelände zurückgebracht werden.

Zwei Tage später war Fangtermin und die Aktion war durchaus erfolgreich. Acht Tiere saßen schließlich in den Transportkörben, darunter die trächtigen Weibchen. Der Bauer hatte die Aktion mit Interesse verfolgt und war zufrieden. Zurück blieben ein roter Kater und eine Schildpatt-Katze, die schon hochbetagt war und keine Jungen mehr bringen würde.

Acht Katzen wurden also ins Heim gebracht, die beiden Kätzinnen in unsere "Mutter-mit Kind-Station" gesetzt, die anderen Tiere wurden gleich zum Tierarzt gefahren. Da diese Tiere sehr menschenscheu waren und ihre Freiheit vermißten, wurden sie nach erfolgter Kastration und einer kurzen Genesungszeit auf ihrem alten Gelände freigelassen.

Auch die beiden Kätzinnen, die schon so hochträchtig waren, daß sie von unserer Ärztin nicht mehr operiert wurden, sollten wieder auf den Bauernhof zurück, da sie von der Idee, sich von den Pflegerinnen umsorgen zu lassen, nicht begeistert waren. Sie wollten keinen Kontakt mit Menschen, mißtrauten ihnen. Das Essen war immerhin ordentlich: gut und reichlich, aber die Annäherungsversuche der Pflegerinnen wurden schroff zurückgewiesen. Als kurz darauf die Jungen geboren waren, wurde die Ablehnung der Katzenmütter gegen die Pflegerinnen noch größer. Die Kätzinnen hatten ihre Jungen im Abstand von wenigen Stunden auf die Welt gebracht und teilten sich nun die Aufzucht. Sie betreuten ihre acht Jungen gemeinsam. Die Mütterhilfe war einerseits rührend (es war unglaublich schön zuzusehen, wie jede der Kätzinnen liebevoll jedes Kleine säugte, säuberte, beschützte, gleich, ob es das eigene oder das der Schwester war), andererseits war es die Hölle für die Betreuerinnen. Wie solllten sie die "Bungalows" sauber machen und die Katzenklos herausholen, wenn zwei aufgebrachte Kätzinnen glaubten, man wolle an ihre Jungen und diese mit Krallen und Zähnen verteidigten?

Die Betreuerinnen mußten mit allen Tricks arbeiten, um das Notwendigste verrichten zu können: Die Katzenklos wurden vorsichtig mit dem Besenstiel herausgeangelt. Die Bungalows bestehen aus einem kleinen Vorraum und Hauptzimmer. Um das "Wohnzimmer" durchwischen zu können, mußten die Mütter in den Vorraum gelockt und dort eingesperrt werden. Eine Menge Leckerbissen der verschiedensten Art waren dazu nötig: Hähnchen, Hackfleisch, Ölsardinen, Sahnequark usw.

Im Laufe der Zeit wurden die Kätzinnen etwas sanfter, sie waren aber nie bereit, dem Menschen wirklich zu vertrauen. Es war klar, daß sie nie als Schoßtiere vermittelt werden könnten. Aber ihre Kinder mußten an den Menschen gewöhnt werden. Sobald die Kleinen anfingen, unabhängiger zu werden, d.h., in der Gegend herumkrabbelten, sich von den Müttern entfernten, und die Mütter nicht mehr eifersüchtig jede Bewegung der Kleinen beobachteten, mußten die Pflegerinnen Kontakt zu den Kleinen knüpfen, sie streicheln, mit ihnen spielen, sie in die Hand nehmen. Eine schöne Aufgabe, aber auch sehr zeitaufwendig.

Während die Pflegerinnen um "Putzrechte" in dem Bungalow kämpften, fochten wir hier vom Vorstand an einer ganz anderen, unerwarteten Front. Mittlerweile hatte sich eine Dame gemeldet und dem Verein vorgeworfen, man habe beim Einfangen auch ihre Tiere aufgegriffen. Die Dame hatte zwar keine Beweise, daß sie selbst Katzen hielt, sie hatte weder Impfpässe noch waren die Tiere tätowiert oder bei Tasso registriert, aber die Dame behauptete steif und fest, unter den eingefangenen Tiere seien ihre. Mittlerweile waren aber die meisten der Tiere schon wieder in ihrer "alten Heimat". Daß oder ob ihre Katzen trächtig waren, wußte die Dame allerdings nicht, aber die Kastration werde sie auf keinen Fall bezahlen. Da wir nicht die Absicht hatten, die Kätzinnen, die wenig zugänglich waren und daher so gut wie keine Chance auf Vermittlung hatten, auch nach den Kastrationen hier zu behalten, war auch dieser Streitpunkt vom Tisch. Sie würden wieder in ihre gewohnte Umgebung zurückkommen. Offen blieb und bleibt letztlich die Frage "gehören" diese Tiere wirklich der Dame? Aber darüber zu philosophieren ist müßig.


Balu
Wie sinnvoll es ist, auch Tiere, die in Freiheit leben, zu kastrieren, um unkontrollierte Geburten und Jungenaufzucht zu verhindern, zeigt auch Balus Beispiel. Er ist eines der acht oben erwähnten Katzen-kinder. Seine Mutter ist also eine Bauernhofskatze und Balu ist behindert. Er kann seine Bewegungen nicht richtig koordinieren, er ist wie spastisch gelähmt. Wenn er läuft, hat er Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, er fällt auf die Seite. Wenn er trinkt, trifft er nicht immer die Katzenmilch, sondern schlappt häufig über der Milch, trinkt Luft. Wenn er auf seine Mutter zukrabbelt, braucht er mehrere Ansätze, bis er endlich bei ihr ist, denn er kann die eingeschlagene Richtung nicht einhalten. Er driftet ab, taumelt gegen Kratzbäume oder was immer in seiner Nähe steht. Dabei ist er ein liebenswertes Katerchen. Wenn er gestreichelt wird, schnurrt er sich bald die Seele aus dem Leib. Wäre er nicht unter Aufsicht geboren worden, wäre er jetzt schon lange nicht mehr am Leben. Er wäre von einem streunenden Kater oder Fuchs getötet worden oder hätte schließlich nicht genug zu essen bekommen, weil auch dies bei ihm sehr lange dauert. Er hätte absolut keine Überlebenschance gehabt. Und dabei ist er ein echter Kämpfer. Es fällt ihm zwar schwer, das Gleichgewicht zu halten, aber er gibt nicht auf.

Die Benutzung des Katzenklos ist für ihn nicht einfach, er tut sich schon schwer, wenn er den erhöhten Rand überwinden muß, aber er gibt nicht nach. Er klettert in das Kistchen! Damit er nicht umfällt, wenn er sein Geschäft erledigt, hält er sich mit einer Pfote am Rand fest. Er gibt nicht auf und er erreicht, was er möchte, es dauert nur ein wenig länger als bei den gesunden Kätzchen. Dennoch hat man den Eindruck, daß ihm sein Leben Spaß macht und dieses Leben wollten wir ihm auch nicht nehmen. Er balgt mit den anderen und tollt mit ihnen herum.
 

Auch diesen Kater konnten wir in ein ganz tolles Zuhause vermitteln - zu katzenerfahrenen Menschen, die immer Problemtiere hatten. Dort hat er sich auch mit dem Schäferhund angefreundet und mit dem Größerwerden wurden auch seine Muskeln stärker und die Behinderung stört ihn überhaupt nicht mehr.

Minou
Wie viel einfacher war der nächste Fall, in dem unsere Hilfe gebraucht wurde. Ein junger Mann rief an, ratlos. Er hatte eine Katze, eine Freigängerin, d.h., sie konnte draußen frei herumstreunen und diese hatte vor wenigen Tagen Junge geworfen. Nun war die Katzenmutter aber schon seit zwei Tagen verschwunden. Er fragte, ob er uns die Babys bringen dürfe, da er nicht wisse, wie er die Kleinen aufziehen solle. Dies wurde im zugesagt, wir knüpften aber die Bedingung daran, daß er - falls die Mutter auftauchte, uns diese bringt und wir sie später auch kastrieren dürften.

  Der junge Mann sagte uns dies zu und brachte die Kätzchen. Sie waren gerade mal 3-4 Tage alt, die Augen waren noch geschlossen - Flaschenkinder! Bei dem Anblick der blinden, fiepsenden Kätzchen zerfloß unsere Heimleiterin, obwohl sie wußte, daß dies ganz erhebliche Arbeit für sie bedeutete. Die Kleinen müssen nämlich alle drei Stunden gefüttert werden, auch nachts.

Dies bedeutet, daß nach Feierabend die Kleinen mit nach Hause genommen werden müssen und dort alle paar Stunden der Wecker die Ersatzmutter aus dem Schlaf klingelt. Nach zwei Tagen erhielten wir wieder einen Anruf des jungen Mannes.

Die Katzenmutter war wieder da, er wollte die Kätzchen zurück. Das aber kam nicht in die Tüte. Wir redeten mit Engelszungen und überzeugten ihn schließlich. Er brachte uns die Katzenmutter. Die Freude auf beiden Seiten war groß. Die Kleinen stürzten sich auf die Milchbar der Mama. Mama war überglücklich und konnte gar nicht aufhören, ihre Kinder abzuschlecken. Unsere Tierheimleiterin sah es mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits konnte sie nun die Nächte wieder durchschlafen und hatte bedeutend weniger Streß, andererseits ist es aber auch unglaublich schön zu sehen, wie die Kleinen wachsen und gedeihen und an der Ersatzmutti hängen. Der junge Mann freundete sich schließlich mit der Idee an, daß er die Katzenmutter kastriert wieder abholen könne, wenn die Kleinen entwöhnt seien. Er wollte ja auch nur das Beste für seine Katze und die Kleinen. Solange die Kätzin bei uns war, kam der junge Mann regelmäßig und besuchte sie. Als er Minou schließlich wieder zurückholen konnte (kastriert), war auch er froh, daß wir diese Lösung gefunden hatten. Nach einem Rundgang durch das Katzenheim, bei dem ihm das Problem der Menge der ungewollten Katzen deutlich wurde, konnte er unseren Standpunkt jetzt verstehen und sogar teilen.

Mohrle
Nicht alle Katzen, die im Katzenheim auf eine neue Familie hoffen, sind aufgegriffene oder ursprünglich freilebende Streuner. Manche waren verwöhnte Stubentiger und mußten aus den verschiedensten Gründen abgegeben werden. Sehr häufig geschieht dies, weil Herrchen oder Frauchen verstorben oder ins Altersheim gehen.

Mohrle, Kater, 6 Jahre alt, wurde uns gebracht, weil seine Besitzerin verstorben sei. Was uns bei dieser Begründung nicht gefiel, war das Drum-Herum. Der Kater saß in einem nagelneuen Korb, an dem noch das Preisschild klebte. Der mitgegebene Kratzbaum, war völlig jungfräulich. Diese beiden Requisiten gehörten keine 6 Jahre oder auch nur ein Jahr lang diesem Kater. Etwas stimmte hier nicht. Aber was soll man in diesem Fall sagen oder tun? Das Tier war offensichtlich unbequem, überflüssig geworden. Es würde ihm nichts nützen, wenn wir ihm die Aufnahme verweigerten. Also machten wir gute Miene zu bösem (?) Spiel und nahmen ihn kommentarlos an.

Mohrle hatte Glück. Er konnte sehr bald vermittelt werden.

 

Amadeus und Co
Auch Amadeus, Bubi und Nappi wurden von ihrem Besitzer abgegeben. Hier aber lag die Situation völlig anders. Sie wurden nicht "abgeschoben", sondern schweren "Herzens" zurückgelassen. Sie gehörten einem Mann, der in Finnland zu Hause ist, aber jedes Jahr für ein paar Monate in Spanien lebt. In Spanien nahm er drei Katzen bei sich auf, die um sein Haus strichen. Die drei ehemaligen Streuner wuchsen ihm ans Herz und als es darum ging, daß er zurück nach Finnland mußte, konnte er den Gedanken nicht ertragen, seine drei Freunde wieder für Monate ihrem Schicksal im Süden zu überlassen. Sie waren kastriert und von ihm geimpft worden. Nun suchte er ein gutes Zuhause für sie. U. a. wandte er sich wegen Adressen an den Deutschen Tierschutzbund. Seine Schwester lebt in Frankfurt und als er unsere Anschrift erhielt, bat er sie, sich unser Heim anzusehen und zu fragen, ob er evtl. später seine Katzen bei uns abgeben dürfe.

  Zunächst nahm die Dame unser Heim in Augenschein und was sie sah, befriedigte sie sehr. Es wurde verabredet, die Tiere aufzunehmen. Auf seiner Reise nach Finnland legte der Herr einen Zwischenstopp in Frankfurt ein und brachte seine Tiere uns vorbei. Auch ihm gefiel unser Heim, die ganze Anlage und die Katzenhaltung und wir waren von der verant-wortungsvollen Art des Mannes angetan.

Wir sagten ihm zu, wenn er wieder länger in Spanien sei und dort wieder Tiere aufnähme, daß er diese erneut bei uns nach dem Ende seines Aufenthaltes abgeben könne. Daß der Herr aus Finnland uns wirklich dankbar war für die Lösung seines Problems, zeigte eine großzügige Spende, die ein paar Wochen später bei uns eintraf.

Die drei Kater wurden sehr bald an Familien vermittelt.

Amadeus, der ein Einzelgänger war und auf den Kontakt zu seinen Artgenossen gern verzichtete, kam allein in einer Familie unter, die beiden anderen blieben zusammen.

Bubi
Normalerweise ist es so, daß die Organisation, die eine Katze einfängt, diese auch behält, d.h. sie läßt sie kastrieren und entscheidet dann, ob das Tier wieder in die Freiheit entlassen wird oder in liebevolle Hände vermittelt werden kann. Bubi beschäftigte aber gleich zwei Vereine und sorgte dafür, daß der Kontakt untereinander, der sowieso besteht, aufgefrischt und eine alte Freundschaft vertieft wurde.

Bubi war ein verwildeter (kastrierter) Kater und zwar einer von der weniger seßhaften Sorte. Ein Vorstandsmitglied unseres Vereins betreut Futterplätze in Industriegebieten von Frankfurt. Auf einem dieser Plätze fiel ihm ein weiß-getigerter Kater auf, der nicht immer kam. "Nicht immer" ist zu ungenau. Der Kater erschien mehrere Wochen pünktlich und zuverlässig zum Futterempfang, dann war er wochenlang verschwunden, um danach wieder mehrere Wochen sich verköstigen zu lassen. Er gehörte also zu denen, die zwei Futterquellen ausfindig gemacht hatten und sich beide warm halten wollten. Daneben war er ein scheuer, aber durchaus liebenswerter Kater, der dem Herrn ans Herz wuchs und der Herr war immer froh, wenn "sein" Bubi erschien. Eines Tages erhielten wir von einer Firma die Aufforderung, wir sollten auf ihrem Gelände die streunenden Katzen zwecks Kastration einfangen. Natürlich fangen wir auch Katzen ein, aber wir haben ja keine hauptamtlichen Katzenfänger, sondern arbeiten mit unseren eh schon mehr als ausgelasteten Pflegerinnen und Ehrenamtlichen. Fangaktionen anzusetzen ist zeitlich manchmal durchaus schwierig. So war es auch in diesem Fall.

Die Pflegerinnen waren mit Neuzugängen im Heim schon über Gebühr belastet und unser Vor-standsmitglied, die immer auch für solche Zwecke zur Verfügung steht, in dieser Zeit gesundheitlich angeschlagen. Aber wir wußten, daß das Tierheim in Nied in diesem Gebiet gerade Katzen einfing. Also baten wir sie, diese Fangaktion für uns zu übernehmen.  

Eine Woche später erkundigten wir uns in Nied, wie erfolgreich ihr Einsatz war. So erfuhren wir von einem besonderen Fall. Für einen Kater war das Eingefangenwerden ein besonderes Glück: Er hatte nämlich Krebs an den Ohren, was auf diese Weise diagnostiziert wurde. Seine Ohren mußten wegoperiert werden. Nun saß also ein ohrloser, weiß-getigerter Kater in Nied. Bei der Beschreibung wurde unser Vorstandsmitglied hellhörig. Am Futterplatz fehlte nämlich seit der Einfangzeit Bubi. Jetzt mußte Gewißheit her. Bubis Schicksal war dem Herrn sehr wichtig. Und richtig, in Nied saß Bubi. Nach der Wiedersehensfreude kam die Ernüchterung. Bubi sah nach seiner Operation ziemlich ungewöhnlich aus, und seine Chancen, vermittelt zu werden, waren gleich Null, da er ja auch sehr scheu ist. Bubis Kopf ist nun einfach rund, die spitzen Tüten, die sonst die Stirn einrahmen, fehlen.

Das sieht nicht schlecht aus, nur etwas ungewohnt. Es gibt sogar eine Katzenrasse, die Scottish Fold, die so gezüchtet sind, daß ihre Ohren nicht aufrecht stehen, sondern eng am Kopf anliegen. Denen sieht Bubi nun sehr ähnlich. Sein Pech ist nur, daß er kein reinrassiger, überzüchtetes, sau teures Tier ist, sondern ein einfacher Straßenkater, mit dem man eben nicht bei Bekannten oder in Züchterkreisen Eindruck schinden kann.

Aber Bubis weiteres Schicksal war uns so wichtig, daß wir ihn in den Speckweg übernahmen in der Hoffnung, für ihn doch eines Tages trotz "Schönheitsfehler" ein schönes Zuhause zu finden.

Hier lebte sich Bubi gut ein, er blieb zwar zurückhaltend, freute sich aber immer, wenn sein ehemaliger Futtergeber kam und strich ihm eines Tages sogar um die Beine. Aber leider verschlimmerte sich sein Gesundheitszustand wieder, der Krebs kehrte zurück. Wir waren nur froh, daß er bei uns war und nicht mehr draußen in der Wildnis, wo er jämmerlich zugrunde gegangen wäre, wir konnten ihn hier erlösen und er hatte noch ein paar Monate Zuwendung und Sicherheit, was er auf seine Weise genoß.

Vier Problemkinder
Neben Tierschutzorganisationen mit Tierheim, wie es der Katzenschutzverein ist, gibt es auch Organisationen ohne Tierheim. Diese arbeiten nur mit Pflegestellen und kümmern sich auch um die Kastration freilebender Katzen.

Eine solche Organisation rief uns voller Verzweiflung an. Sie hatte aus einer Fangaktion vier etwa 5-6 Monate alte Wildlinge aufgegriffen, die auf keinen Fall mehr an die alte Futterstelle zurück könnten, da diese aufgelöst würde. Die Tiere würden in den nächsten Tagen kastriert. Uns war klar, daß wir hier helfen mußten, wenn auch schweren Herzens. Man konnte die Tiere nicht einfach abweisen, denn wohin hätten sie denn sonst gegeben werden können? Andererseits ist auch bekannt, daß Tiere in diesem Alter nur noch bedingt zahm werden, sie sind im Grunde schon zu alt, um noch Vertrauen zum Menschen fassen zu können.

Die Tiere kamen also zu uns. Sie waren völlig scheu und verwahrlost. Sie wurden aufgepäppelt und liebevoll versorgt. Und wir hatten insofern Glück, daß ein paar Wochen später eine der Katzen an eine aus-gesprochene Tierfreundin vermittelt werden konnte. Die Dame hat schon andere Katzen. Sie kennt sich mit Wildlingen aus und weiß mit einem scheuen Tier umzugehen. Die anderen sind noch bei uns. Sie werden nach und nach zutraulicher, aber bis sie so zutraulich sind, daß sie abgegeben werden können, wird noch Zeit vergehen. Ansonsten könnten sie nur zu Menschen, die Erfahrung mit ängstlichen, scheuen Katzen haben und diese nicht mit gut gemeinter Aufmerksamkeit und Liebesbeweisen überfordern.


Marbella in Spanien
das ist noch ein Ort, der unsere Hilfe bezüglich der vielen heimatlosen Katzen bräuchte. Mit Sicherheit ergibt sich in Zukunft eine Zusammenarbeit. Denn trotz des Reichtums, der gerade dort herrscht, wird die Hilfe wieder aus Deutschland benötigt.

Zunächst einmal ein Text, den uns eine Tierfreundin zukommen ließ.
Es sollen einmal die Katzen erzählen und zwar die Schwarzen, die mir ganz besonders am Herzen liegen. Wir sind schwarz, keiner will uns haben, deshalb leben wir am blauen Meer.

Glühend heiße Sonne im Sommer, oft strömender Regen im Winter, dann haben wir ein klatschnasses Fell, das Meer unterspült die großen Steine, eine trockene Nische zu finden, gelingt uns nur selten. Menschen kommen auch nicht so weit rausgelaufen, ans Ende der Mole und das ist gut so, denn die meisten mögen uns nicht.

Aber es gibt auch andere, diese sagen dann, "die armen Katzen", aber sie drehen sich um, gehen in ihre gemütlichen Wohnungen und vergessen uns schnell. Einige von uns sind hier geboren, haben noch nie einen Grashalm gefressen, oder die Pfoten an einem Baum gewetzt, nur die blanken Steine und das Meer kennen wir.

Kollegen, die hier von ihren Menschen ausgesetzt wurden, haben es besonders schwer, denn sie hatten ja ein Zuhause, durften vielleicht mal auf dem Sofa schlafen, hatten Menschen in ihrer Nähe und zu Essen - und dann eines Tages ab in die Kiste zum Puerto Banus. Manche schwangere Katzenmutter kommt so hier an, wurde buchstäblich in letzter Minute aus dem Haus geschafft, denn man möchte in keinem Fall noch mehr Katzen und hier kommt es doch auf eine oder fünf Katzen mehr gar nicht an.

Raffaella, unsere Freundin, sieht das anders, sie kommt seit vielen Jahren mit Essen, mit Medikamenten und immer öfter mit so einem riesigen Drahtkorb. Meistens ist dann noch eine Frau dabei, ein Tellerchen mit gut riechendem Futter steht dann in diesem Gehäuse. Einige von uns überlegen dann gar nicht und spazieren in dieses Ding. Dann geht die Klappe zu, sie können fressen, miauen fürchterlich, aber sie können nicht mehr raus.

Das gehört zu Raffaellas Arbeiten, eine kleine Operation beim Tierarzt soll uns helfen, das Katzenelend in Grenzen zu halten.
Wir werden dann sehr müde und wenn wir wieder aufwachen, sitzen wir in einem Zimmer im Käfig. Irgendwann kommt dann Raffaella und bringt uns wieder zum Puerto Banus.
Wo sollten wir auch hin? Raffaella hat schon so viele Katzen in ihrem Haus und Garten.
Wir wünschen uns von den Menschen ein Zuhause, manche Leute haben so viel Geld und könnten den Tieren helfen, aber sie schauen weg, wollen nichts mit Tierschutz zu tun haben.
Sie kommen mit Argumenten, daß ein Straßenhund ein Köter sei, der auf die Straße gehört und die hungrigen Katzen, wenn es zu viele werden, sollten mit Rattengift beseitig werden.
Wir, die Katzen am Puerto Banus, haben Hilfe von Raffaella und ihren Katzenfreunden.
Sicherheit und Schutz gibt es aber für uns nicht.
Einige Katzenkinder haben in Deutschland bei guten Menschen ein Zuhause gefunden, dafür danken wir!

* Raffaella ist eine große Tierfreundin, die dort lebt und sich der Heimatlosen annimmt, so gut es eben geht.



 
     
 
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