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  Katzenpost 06

Toby - ein Rückblick

In Fechenheim gab es etwas, was mittlerweile in Frankfurt selten geworden ist, ein Stück Brachland mitten im Industriegebiet. Dort hatten sich zwei herrenlose Katzen ihr Zuhause eingerichtet, es gab Verstecke, Schutz vor Regen, relative Sicherheit. Eines allerdings gab es nicht: Genug zu essen. Toby und seine Freundin sahen denn auch bedauernswert dünn aus, als sie mitleidigen Tierfreunden auffielen. Die Menschen erbarmten sich und richteten für die beiden Katzen eine Futterstelle auf dem Brachland ein. Anfangs trauten sich die Katzen erst ans Futter, wenn die Menschen schon wieder gegangen waren. Nach und nach nahm das Mißtrauen der Katzen ab, Toby und Butzeli kamen, wenn sie "ihre" Menschen sahen. Bald warteten sie auch schon zur gewohnten Zeit.

Da die Tierfreunde Vorstandsmitglieder des Frankfurter Katzenschutzvereins sind, wurden natürlich die "Wildlinge" kastriert und nach der Operation wieder in ihren gewohnten Lebensraum gebracht. Die Kastration, der Aufenthalt beim Tierarzt und der sich anschließende kurze Aufenthalt im Katzenheim waren schnell vergessen, nur ein böser Traum. Aber dennoch hatten diese wenigen Tage oder besser, hatte dieser kleine chirurgische Eingriff schwerwiegende Folgen. Tobys Drang nach sehr ausgedehnten Streifzügen, sein Drang, an den entferntesten Kanten seines Reviers seinen Artgenossen anzukündigen, dass hier ein sehr potenter Kater residiere, liessen nach. Toby hatte plötzlich mehr Zeit für ruhiges Beobachten. Es genügte ihm, wenn er die Umgebung um seinen Schlafplatz und seine Futterstelle frei von Konkurrenten hielt, weitere Streifzüge waren doch gar nicht nötig. Ihm war auf einmal gar nicht mehr wichtig, ständig herzumzurennen. Was ihn früher dazu getrieben hatte, wusste er nicht mehr, jetzt auf alle Fälle sah er den Sinn der früheren Aktivität nicht mehr. Statt dessen wurden die Menschen, die ihm sein Fressen servierten, interessant. Sie waren freundlich und sprachen aufmunternd mit ihm. Toby überlegte, dass er eigentlich hin und wieder ein paar Streicheleinheiten gebrauchen könnte. Seine vorsichtigen Annäherungsversuche stiessen auf freundliches Entgegenkommen. Und bald war Toby das Streicheln fast so wichtig wie das Futter. Er wurde so zutraulich, dass man ihn sogar auf den Arm nehmen konnte. Das war Tobys Glück!

Bald danach wurde bekannt, dass das Brachland in der nahen Zukunft bebaut werden würde. Tobys Menschen sahen für die Katzen nur zwei Möglichkeiten: Sie mußten entweder ins Tierheim oder ließen sich in die Familie ihrer "Futtergeber" integrieren. Tobys Menschen hatten schon drei Katzen zu Hause und hatten deshalb die ganze Zeit gezögert, den Kater und die Kätzin zu sich zu holen. Nun gab es keine andere Wahl mehr, denn die Tiere waren ihnen schon zu sehr ans Herz gewachsen. Und solche Tiere sind am besten bei ihren Futtergebern aufgehoben, diese Menschen kennen sie schon und sie vertrauen ihnen. Also wurden beide Katzen eingefangen und erst einmal zur Untersuchung und zwecks Kennenlernen eines geschlossenen Raumes in den Speckweg gebracht. Dort kümmerte man sich rührend um sie und sie konnten nach zwei Wochen zu ihren Menschen. In der neuen Wohnung versuchte man die "Einarbeitung" - und sie verlief vor allem bei dem Kater völlig problemlos. Toby war äusserst friedfertig. Statt mit den anderen Katzen um Futter oder Schlafplätze zu streiten, ordnete er sich willig ein und war glücklich. Endlich hatte er ein richtiges und sicheres Zuhause! Und die Kätzin hatte sich vorerst einmal den Schlafzimmerschrank als ihr Revier ausgewählt, um Ruhe vor den anderen Katzen zu haben.

Besonders in der ersten Zeit seines Wohnungswechsels schlief Toby viel. Dabei war sein Schlaf aber sehr unruhig. Toby zuckte ständig mit dem Kopf, schreckte plötzlich hoch, sah sich mit großen Augen um, liess dann aber den Kopf mit einem tiefen und zufriedenen Schnaufen wieder auf die Pfoten sinken und schlief ein -bis zum nächsen Aufschrecken. Das kleinste ungewohnte Geräusch liess ihn in Panik geraten und sich verkriechen. In der von vielen so gepriesenen Freiheit hatte er gelernt, daß er jederzeit gefährdet ist. Gefahr lauerte überall und Ruhe gab es nur wenig. Sein altes Grundstück hatte an einer befahrenen Strasse gelegen, über die bis spät in die Nacht hinein Lastwagen zu den Firmen donnerten. "Ruhe" hatte Toby nur ganz wenige Stunden in der Nacht - und Sicherheit? Er war auf seinem Grundstück immer in Alarmbereitschaft und damit im Dauerstress. Es dauerte ein ganzes Jahr bis Tobys nervöses Zucken verschwand. Toby und Butzeli weinen heute ihrer verlorenen Freiheit keine Träne nach. Sie wollen nicht zurück in die Kälte, die Nässe, das Gefährdetsein. Sie ziehen die Geborgenheit einer Wohnung den Abenteuern der grossen weiten Welt vor und räkeln sich abends genüßlich im Bett ihrer Menschen. Die Kätzin ist nach wie vor distanziert, sie liebt ihre Artgenossen nicht sehr und schläft tagsüber auf dem Schrank, der schon am Anfang ihr Zufluchtsort war. Nachts aber liegt sie mit im Bett ganz nah bei ihren Menschen. Sie weiß jetzt, dass sie hier völlig sicher ist und niemand ihr etwas tut und daß sie geliebt wird.

  Blümchen
Glück über den langen Weg hatte "Blümchen". Ende Januar fiel sie einer Dame auf, die Mitglied bei uns ist. Sie trug sich mit dem Gedanken, ein Grundstück in Kronberg zu erwerben. Da ein solches Vorhaben nichts ist, das von heute auf morgen erledigt werden kann, fuhr die Dame mehrfach dort hin und traf immer auf eine wunderschöne, ältere dreifarbige Katze. Das Tier zeigte sofort großes Zutrauen, war lieb, schmuste und schien immer ganz traurig, wenn die Dame sich verabschiedete. Natürlich brachte die Tierfreundin ihr auch bald etwas zu essen mit und sah, wie gierig das Futter verschlungen wurde.

So kam der Dame der Verdacht, dass das Tier im Moment wohl herrenlos sei. Nachfragen in der Nachbarschaft ergaben, dass die Katze dort schon seit mehreren Wochen gesehen wurde, wie sie herumlief, sich Menschen anbot, ein neues Zuhause suchte. Sie war von "ihrer" Familie beim Umzug einfach zurückgelassen worden!

Nun sind Dezember und Januar nicht die günstigsten Monate, einer Katze das "Geschenk" der grenzenlosen Freiheit zu machen und Blümchen hielt absolut nichts davon. Es war zwar in diesem Winter nicht so beissend kalt wie sonst, aber doch noch kalt genug, um eine Katze gehörig frieren zu lassen. Außerdem war es nass und Futter gab es auch nicht regelmäßig. Blümchen wollte endlich wieder ein richtiges Zuhause. Die Futtersituation besserte sich erheblich, als ihre Freundin aus Frankfurt Blümchens wahre Lage erkannt hatte. Von da an kam diese fast täglich, um sie zu versorgen, aber das Wohnungsproblem war immer noch offen. Wenn die Dame nach Kronberg ziehen würde, hätten Blümchens Sorgen ein Ende. Nun waren aber das Haus und das Grundstück doch nicht ganz das, was sich die Dame vorgestellt hatte und wegen einer Katze ein Grundstück kaufen und in ein nicht ganz geeignetes Haus einziehen? Das ging doch wohl etwas zu weit. Da musste es doch eine andere Lösung geben. Die gab es auch und es war überhaupt kein Problem. So machten sich unser Mitglied und ein Vorstandsmitglied zu einer Landpartie nach Kronberg auf. Da Blümchen völlig zahm und zutraulich war, machte auch das Einfangen keine Schwierigkeiten.

Im Heim fühlte sich Blümchen von Anfang an sehr wohl. Sie war froh und glücklich, der Kälte und Nässe entkommen zu sein. Die anderen Katzen störten sie überhaupt nicht. Sie war sofort mit allen und jedem gut Freund. So dauerte es auch nicht lange, bis sie vermittelt wurde und ein neues Zuhause beziehen konnte. Übrigens zu einem Kater, der auch bei uns geholt wurde. Der grossen weiten Welt weint sie nicht nach, eher dankt sie der Katzengöttin Bastet täglich dafür, daß sie ihr die Frankfurterin nach Kronberg schickte und ihr so wieder zu einem warmen Zimmer und Menschennähe verhalf.


Fipsi
Nicht nur in der Freiheit gibt es Unvorhergesehenes und Plötzliches, das den Katzen das Leben schwer macht. Das Schicksal kann ebenso ein verwöhntes und heissgeliebtes Tier hart treffen. Was ist, wenn Herrchen oder Frauchen sterben oder ins Altersheim müssen, das Kätzchen nicht mitnehmen können und der Bekanntenkreis nicht gross genug ist, um eine neue, geeignete Heimat zu finden?

So erreichten uns nach mehrwöchigem Aushang bei einem Tierarzt folgende Zeilen:


EILIGES GESUCH!!!

Hallo, liebe Tierfreunde,
ich bin eine sehr schön getigerte Stubenkätzin namens Fipsi und suche ein neues endgültiges liebevolles Zuhause als Alleinherrscherin. Ich bin 3 Jahre alt, bin sehr lieb und verschmust.

Leider starb mein Herrchen letztes Jahr. Daraufhin nahm mich die Tochter (dort sind zwei alte Perserkatzen) liebevoll auf. Ich wollte mich ja vertragen, aber die eine wurde mit der Zeit so eifersüchtig, dass sie jeden Tag mit mir Streit suchte. Ich habe ihr natürlich Parole geboten, worauf diese psychisch krank wurde und so musste ich leider das Haus nach vier Monaten wieder verlassen. Daraufhin kam ich zu einem Bekannten und dessen zwei getigerten Stubenkätzinnen in meinem Alter. Ich gab mir wirklich viel Mühe (wie auch immer) - aber eine von den beiden will mich auch nicht. Jetzt nach fünf Monaten fängt diese an und wird unsauber - manchmal, wenn ich schlechte Laune habe, lasse ich sie auch einfach nicht aufs Klo, d.h., ich muß mich wieder nach einem neuen Zuhause umschauen.

Klar, am liebsten habe ich mein Herrchen ganz allein für mich. Ich bin ein starkes Wesen und aus diesem Grunde haben andere Gleichgesinnte Probleme mit mir, wenn die nicht so wollen wie ich. Ich möchte noch erwähnen, daß ich zwei Jahre mit einem Hund zusammenlebte. Selbstverständlich stehe bzw. springe ich auch einmal mit der linken Pfote von der Couch - da geht es mir wie den Menschen; das geht auch wieder vorbei.

Von Bedeutung ist noch, dass ich an meinem Kratzbaum kratze und nicht an den Möbeln. In meinem Katzenklo halte ich mich sehr oft auf, da ich dieses mehrmals am Tag umgraben muss. Ich bin auch nicht sehr schneubisch, fresse jedes Naßfutter (in ausreichender Menge) und zusätzlich am liebsten Whiskas Crunch.

Das ist mal das wesentliche über mich und gefallen tue ich Ihnen bestimmt.
Schauen sie mich doch einfach einmal unverbindlich an!

Fipsis Aufruf beim Tierarzt führte dennoch nicht zum Erfolg. Obwohl für sie wirklich alles getan wurde, keine Kosten und Mühen gescheut wurden, fand sich kein neues Heim. So kam sie dann zu uns. Dabei war klar, dass Fipsi nicht abgeschoben wurde, aber dass die Vermittlung im Katzenheim für Fipsi die einzige Chance war, doch noch ein für sie passendes Zuhause zu finden. Da Fipsi wirklich ein liebes Tier ist, war sie nur kurz bei uns und ist jetzt Einzelkatze im neuen Zuhause. Ein glückliches Ende für etwas, das für alle Beteiligten zu einem Alptraum zu werden drohte.


Unser "Vermittlungszimmer"
Kennen Sie die Räumlichkeiten unseres Heims? Wie Sie wissen, besteht unser Heim seit über 30 Jahren. Damals wurde die ganze Längsfront mit Gehegen (Innen- und Aussentrakt) versehen. Später kamen zwei Bungalows, einfache, aber beheizbare Holzhäuschen (ein einzelner und ein Doppelhaus) mit anschliessenden Innenhöfen dazu, die sich im rechten Winkel an die Gehege anschliessen. Sie wurden 1999 in drei Bungalows abgeteilt und werden seither als "Mutter-Kind-Stationen", d.h. für Mutterkatzen mit ihren Babies, verwendet. Eine prima Lösung, die so gut wie kein anderes Tierheim hat, von den Katzen begeistert aufgenommen wird und unseren Besuchern immer besonders gefällt.

Als nächstes entstand das "Vermittlungszimmer" hinter dem Büro. Hier sind die Katzen zusammengefasst, die ihren medizinischen Durchlauf hinter sich haben und zur Vermittlung anstehen. Bald aber war auch dieses Zimmer zu klein, der angrenzende Raum bot sich an und wurde letztes Jahr dazugenommen und beide Räume wurden "neu für die Katzen hergerichtet".

Durch extra Spenden für die Ausstattung dieser Räume konnten wir hier unsere Vorstellungen von einer "katzengerechten Unterkunft" weitgehendst verwirklichen. Zuvor standen im Vermittlungszimmer ausgemusterte Schränke. Sie boten den Katzen zwar Schlafplätze, waren aber doch nur begrenzt sinnvoll. Ein Schrank ist schön, weil er hoch ist und von oben die Welt für eine ängstliche Katze weniger bedrohlich erscheint. Aber der Schrankinnenraum ist verschwendeter Platz, weil er nicht von den Katzen genutzt werden kann. Nun wurden die alten Möbelstücke durch breite, stabile Holzregale an den Wänden, die fast bis zur Decke reichen, ersetzt. Statt einer Liegeebene gibt es jetzt bis zu vier!!! und durch die geringere Tiefe der Regale ist noch Platz für mehrere Schlaf-, Kratz- und Kletterbäume. Weiche Kissen, Kuschelecken, jede Menge Schlafhöhlen und Körbe bieten Versteckmöglichkeiten und gedämpfte Musik (!) bereiten unsere Vierbeiner auf ihr neues Zuhause in einer Wohnung vor. Gedämpfte Musik? Eine Radioanlage im Katzenzimmer - ist das nicht eine Verschwendung von Spendengeldern? Wir können Sie beruhigen, die Radioanlage wurde nicht gekauft, sondern wurde uns von einem Mitglied überlassen, das sich eine neue zulegte und die alte uns als Geschenk anbot, da sie einfach zu gut für den Müll war. Und die Katzen mögen die Musik! Natürlich dröhnt kein Rapp oder Hard Rock durch die Zimmer, sondern sanfte Töne umschmeicheln die Tierchen, schenken süsse Träume.

Aber damit ist der Luxus in unserem Vermittlungszimmer noch nicht erschöpft. Es gibt nämlich noch eine Veranda, die vor die Katzenzimmer gebaut wurde. Sie ist durch Katzenklappen in den Festern jederzeit zugänglich und ermöglicht es den Katzen, frische Luft zu tanken, wann immer sie es wollen. Und weil wir nicht im sonnigen Süden leben, die Veranda dreiviertel des Jahres wegen Kälte, Regen oder Wind unbenutzbar wäre, kann sie in der kälteren Jahreszeit durch aufsetzbare Plastikscheiben zum Wintergarten umfunktioniert werden und lädt auch dann zum Verweilen ein. Dieses Bauvorhaben konnten wir nur verwirklichen, weil ein Mitglied von uns die Kosten dafür übernahm und wir sind dafür besonders dankbar.


Devil
Er hat zwar einen teuflischen Namen und ist pechrabenschwarz, aber er hat ein ganz sanftes Gemüt. Als er in einem Tierheim landete, war man sicher, dass er nicht lange dort sein werde - wohl nur gerade so lange, bis die nötigen Tests durchgeführt worden waren. Doch dann kam die böse Überraschung. Der Kater war Leukose-positiv. Das bedeutet, dass er nicht mit anderen Katzen zusammen gehalten werden darf, da sich die anderen anstecken würden. Devil hätte dort seine Box nie verlassen dürfen, eine unerträgliche Situation! Die Pfleger dieses Tierheims setzten sich daher mit uns in Verbindung. Wir haben eine Leukose-Station, d.h. ein Gehege, in dem die leukose-infizierten Katzen unter sich sind und sich daher dort frei bewegen können. Das heisst nicht, dass diese Tiere nicht vermittelt werden können, doch der neue Besitzer muss wissen, was er sich da ins Haus holt. Eine Leukosekatze darf nur zu einer Leukose-geimpften Katze oder zu einer, die auch infiziert ist oder muss als Einzeltier gehalten werden. Auch weiss niemand, wann die Krankheit ausbrechen wird. Das kann Jahre dauern, das kann aber auch schon nächste Woche oder in einem Monat sein.

So kam Devil zu uns. Er war zwar froh, seine Box verlassen zu dürfen, doch fehlten ihm "seine Betreuer". Er lebte sich dann schließlich doch bald ein, gewöhnte sich an die neue Umgebung und genoss es, das Treiben im Garten und auf dem Hof des Katzenheims zu beobachten. Als freundlicher Kater hielt er auch oft ein Schwätzchen durchs Gitter mit Besuchern und so eroberte er sich das Herz eines Ehepaars, das sich das Heim nur einfach einmal ansehen wollte. Sie hatten zu Hause schon eine Katze, die Leukose positiv war, und einen jungen Hund. Warum also nicht eine zweite Leukose-Katze dazunehmen? Devil würde die vorhandene Katze akzeptieren, da waren die Pfleger im Heim sicher, aber wie würde er auf den Hund reagieren? Devil aber sah gar kein Problem. Ein junger Hund ist auch nichts anderes als eine junge Katze, darf als Baby, Kind oder Flegel nicht für voll genommen werden und ist ansonsten ein prima Spielkamerad. Das oder etwas Ähnliches muss sich Devil gedacht haben, denn er fügte sich sofort schnurrend in seine neue "Familie" ein.


Ciara
Wir alle kennen Zeiten, in denen uns die Arbeit über den Kopf wächst, wenn wir, statt auf Wolken zu wandeln, glauben, dass die Wogen über uns hinwegtosen, wenn alles schief geht. Dann genügt es nicht, eine Arbeit nur anzutippen und sie macht sich wie von selbst, sondern überall stösst man auf Hindernisse, Schwierigkeiten - nichts läuft von alleine. In solchen Zeiten liegen die Nerven blank, Kleinigkeiten lassen uns verzweifeln. Dann kann es passieren, dass sogar unsere Vierbeiner uns Stress bereiten, ihre Pflege uns zur Last wird, wir ihren Eigenwilligkeiten, Launen, Besonderheiten nicht mehr standhalten können.

So geschah es vor kurzem Frau X. Sie hat drei Abessinier, die sie zwar sehr liebt, die aber auch sehr anstrengend werden können. Frau X. war am Ende ihrer Kräfte. Den Dreien war sie nicht mehr gewachsen, Chaos und Tohuwabohu, Gerangel, Eifersüchteleien - eine, die Wildeste, Ciara, mußte weg, damit Ruhe und Frieden im Haus einkehren könnten!

Der Katzenschutzverein wurde angerufen, ein Abgabetermin vereinbart. Ciara wusste nicht, wie ihr geschah, als sie plötzlich in den Transportkorb gepackt, durch die Gegend gefahren wurde und nicht, wie nach jedem Tierarztbesuch, endlich wieder zu Hause mit ein paar Leckerbissen über die erlittenen Strapazen hinweggetröstet wurde, sondern in einer völlig fremden Umgebung landete. Was war denn jetzt los? Ciara beschloss abzuwarten. Die Zeit verging, der Alptraum blieb - und Ciara wurde krank, so krank, dass der Tierarzt mehrfach aufgesucht werden musste. Schließlich ging es Ciara physisch wieder besser, aber glücklich war sie deswegen noch lange nicht.

In der Zwischenzeit war auch Frau X. alles andere als glücklich. Statt der erhofften Harmonie im Heim bedrückten sie die Leere und Selbstvorwürfe. Auch die beiden anderen Katzen, die sich sonst über Ciaras Ungestüm beschwert zu haben schienen, suchten sie, vermißten sie, trauerten. Nun sass der ganze Haushalt traurig da, konnte sich an gar nichts mehr freuen. Die sonstigen Probleme sortierten sich so langsam aus, die Leere, die durch Ciaras "Weggang" entstanden war, blieb und wuchs. Schließlich reifte die Erkenntnis: Die Entscheidung, sich von Ciara zu trennen, war falsch, völlig falsch! Aber vielleicht konnte sie ja wieder rückgängig gemacht werden? Es ist nicht leicht, einen Fehler einzugestehen, peinlich, eine Katze erst abzugeben und sie dann wieder zurückhaben zu wollen. Das entspricht nicht unserem Ideal vom überlegt handelnden Menschen. Aber wer ist andererseits schon immer souverän und tut jederzeit das Richtige? Also rief Frau X. wieder im Katzenheim an. War Ciara noch da? Könnte sie sie gegebenenfalls zurückhaben?

Das Erstaunen im Heim war gross, als Frau X. ihre Bitte vortrug. Ein solcher Fall war im Heim noch nicht vorgekommen. Meist war die abgegebene Katze in kurzer Zeit vergessen, nun aber wollte eine ehemalige Eigentümerin ihre abgegebene Katze wieder zurück? Äusserst ungewöhnlich! So spontan konnten wir und wollten wir auch die Sache nicht entscheiden. Wir wollen ja das Beste für die Tiere, alle Tiere und dazu gehört, dass wir sicher sein wollen, dass die Aufnahmestelle für die Katze geeignet ist. Die Situation, wie sie war, war für Ciara schlimm genug, sie durfte nicht dadurch verschlimmert werden, dass wir sie jetzt wieder zurückgaben und das Tier ein paar Wochen später uns vielleicht wieder gebracht werden würde - oder schlimmer, ausgesetzt werden würde. Erkundigungen wurden eingeholt und diese Auskünfte waren nur positiv. Frau X. war eine sehr gewissenhafte und liebevolle Tierhalterin. So stand der Rückgabe Ciaras nichts im Wege.

Ein paar Tage später stand Frau X. im Heim, liess sich "ihre" Ciara in den Katzenkorb packen, bezahlte strahlend die angefallenen Tierarztkosten und ging beschwingten Schritts von dannen. Und weiter? Lesen Sie am besten Ciaras Brief an den Katzenschutzverein.

Hallo, hier ist die Ciara (sprich: kjara).
Vor kurzem durfte ich Euer Katzenheim verlassen und wieder nach Hause zu Frauchen zurück.
Zuerst wusste ich nicht, wie mir geschah. Tante Brigitte packte mich in ein Körbchen und legte ein grosses Handtuch darüber, weil es so kalt war. Es folgte eine schreckliche Fahrt in einer rüttelnden Strassenbahn. Ich weinte und schrie die ganze Zeit. Der Mensch, der mich auf dem Schoß hielt, und auch die Stimme kamen mir irgendwie bekannt vor. Immer wieder sagte sie meinen Namen und allerlei Freundlichkeiten.

Man trug mich Treppen hinauf, schloss die Wohnungstür auf, und als ich aus dem Körbchen spazierte, traute ich meinen Augen nicht: Ich war wieder zu Hause! Im Bad war es mir zu langweilig, auf dem Balkon zu kalt. Die Fressnäpfe in der Küche fand ich gleich und nahm einen kleinen Imbiss. Meine Schwester schien nicht sehr glücklich über meine Rückkehr, sie fauchte so, dass ich auf den Küchenschrank floh. Von dort traute ich mich dann nicht mehr runter. Auch Mutti war nicht so wie sonst. Frauchen brachte mir Essen hoch und ich nahm ein paar Happen zu mir. Die Nacht verbrachte ich auf dem Küchenschrank.

Ganz früh morgens bekam ich das heulende Elend und schrie und weinte und konnte nicht mehr aufhören. Mein Mensch kam schlaftrunken herbei, stieg auf eine Leiter, packte mich und legte mich neben sich ins Bett. Hier fühlte ich mich sicher. Ja, ich fühlte mich so wohl und geborgen, dass ich mehrere Stunden liegenblieb - bis Frauchen sich erhob und sagte: Moorgen, Aufstehn, Frühstück.

Das Schlimmste war erst einmal vorbei, ich war wieder zu Hause. Dank Tante Angelika, Tante Brigitte, Tante Heidi und aach, die anderen Namen weiss ich nicht mehr. Auf alle Fälle vielen, vielen Dank!

Ciara


Sahran - unser "Opa"
Ähnlich wie bei Lavina, der ja nicht ganz einfach zu vermitteln war, hoffen wir auch bei Sahran auf ein kleines Wunder in Form einer neuen Familie. Dabei ist Sahran unproblematisch. Sein Makel ist, dass er schon die "10" überschritten hat.

Auch er kam zu uns, weil sein Besitzer starb. Sohn und Schwiegertochter, die eine Einzelgängerin haben, bemühten sich redlich, in ihrem Bekannten- und Freundeskreis einen Nachbesitzer für Sahran zu finden, vergeblich. Dabei spielte für viele eine grosse Rolle, dass Sahran in seinem früheren Zuhause einen schönen Garten hatte, also "Freigänger" war. Diesen Luxus konnte nun niemand ihm bieten und so wurde sein ehemaliger Garten für ihn zum Stolperstein. Dabei ist gerade für ein älteres Tier wie Sahran der Verlust seines Gartens gar kein Problem. Für einen älteren Kater sieht das Leben doch anders aus. Uns geht es auch nicht anders. Wenn wir so um die sechzig sind, hat unser Bewegungsdrang auch erheblich nachgelassen. Wer von uns in Ehren Ergrauten will schon den ganzen Tag über Nachlauf spielen, Hüpfseil springen, Skateboard fahren, Fussball spielen? Sicherlich gibt es rüstige und unermüdliche Energiebolzen, aber den meisten von uns reicht doch im Alter ein ruhigeres Tempo. Genauso geht es Sahran. Auch wenn ihn nicht Arthrose, Gicht oder Rheuma plagen, geht er es gern gemütlich an. Er döst mit Vorliebe in der Sonne - ob das Sonnenplätzchen nun draußen im Garten ist oder auf der Fensterbank im Zimmer, ist völlig gleich. Auf Vogeljagd geht er sowieso nicht mehr. Das hat er schon seit vielen Jahren gelernt, daß diese Tiere ihn nur dumm aussehen lassen wollen, also ignoriert er sie schon lange. Dennoch war das Hauptargument, warum Sahran nicht aufgenommen werden konnte, daß man ihm keinen Garten bieten könne. Also wurde Sahran, da wir uns bereiterklärten, ihn zu uns zu nehmen, bei uns abgegeben.

Nun ist er also bei uns. Am Anfang trauerte er sehr. Er vermißte seinen Herrn, die gewohnte Umgebung, die Liebe seines Menschen. Mit der Freiheitsbeschneidung kommt er gut zurecht. Der Balkon vor seinem Gehege reicht ihm durchaus, was ihm fehlt, ist die Zuwendung, die er gewohnt war und die er bei uns nicht in diesem Masse bekommen kann, obwohl wir ihn alle besonders ins Herz geschlossen haben und mit "Streicheleinheiten" verwöhnen. Auslauf? Ein gesicherter Balkon würde ihm völlig reichen. Zuwendung, Liebe das ist es, was er will und braucht und was er sucht!


Und hier beispielhaft ein Brief, der zeigt, dass die meisten Katzen gerne mit einer anderen Katze zusammen sind.

Liebes Katzenteam,

wir möchten Ihnen ein bisschen über unsere kleine Karthäuser-Mix erzählen.
Wir haben sie Mona genannt und sie ist ein richtiger Racker. Unsere anfängliche Unsicherheit, ob alles gut gehen würde, war unbegründet.
Pauline (unsere "Grosse") hat am Anfang ziemlich gefaucht und nach Mona gehackt. Nach 1-2 Tagen beschnuppern haben sie sich dann angefreundet und mittlerweile sind sie ein Herz und eine Seele. Pauline putzt die Kleine und sie schlafen in einer Kiste und auf einem Kissen. Mona ist schon gewachsen und sie frisst eine Menge. Manchmal schleicht die Kleine zum Napf von Pauline und klaut sich etwas von "Erwachsenen-Futter" und die Pauline lässt sie das manchmal ohne zu "schimpfen". Es ist wirklich toll den beiden zuzuschauen. Die zwei sind mittlerweile ein richtig tolles Team und die Grosse passt auf die Kleine auf. Im Blödsinn machen sind die beide ganz gross, manchmal liegt die Tischdecke unten, dann ist alles Spielzeug in der Wohnung verteilt oder das Katzenstreu liegt in der ganzen Toilette verstreut. Das gehört halt dazu beim Zusammenleben mit Katzen.
Wir haben schon tolle Fotos gemacht und sobald diese entwickelt sind schicken wir Ihnen ein paar.

Viele Grüsse
Sandra Liedtke


 
     
 
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