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  Katzenpost 05

Ende gut, alles gut!

Lavina

Erinnern Sie sich noch an Lavina, den schwarzen Kater mit der steifen Hinterpfote und dem femininen Namen, der trotz allem ein "er" war, wenn auch kastriert? Er kam zu uns, weil sein Frauchen verstarb. Seine Behinderung und sein Alter schreckten viele unserer Besucher davon ab, ihn zu sich nach Hause zu holen. Im Herbst wurde er in "Herrchen gesucht" vorgestellt. Geduldig ließ er diese Prozedur über sich ergehen, aber dennoch fand sich kein neues Zuhause. Immer wieder wurde Lavina in der Gunst des Publikums durch andere Tiere verdrängt: Jüngere, agilere, raffiniertere, schönere......! Welches Kriterium es am Ende auch immer war, der Kater blieb bei uns. Es ging ihm nicht schlecht. Er war munter und guter Dinge, er fühlte sich im Vermittlungszimmer wohl und kam mit den anderen Katzen gut zurecht. Aber er hätte gern mehr Streicheleinheiten gehabt, für die bei uns die Zeit für jedes einzelne Tier leider begrenzt ist. Dennoch wurde sich besonders um Lavina bemüht und er arrangierte sich.

Und dann kam eines Tages doch der richtige Besucher. Der Kater eines älteren Herrn war gestorben und nun war die Wohnung so trostlos leer und man hielt Ausschau nach einem ruhigen, älteren Tier, dem man noch ein paar schöne Jahre bieten kann. Lavina eroberte sofort das Herz von Herrn M. Die beiden sind wie für einander bestimmt - zwei ältere Herren haben sich zusammengetan.

  Laura
Auch Laura war im letzten Heft schon vorgestellt worden. Sie war als hochträchtige Katze ins Heim gekommen und hatte dort 8 Junge geboren. Das Jungvolk verlangte seiner Mutter das letzte ab. Dabei war sie selbst nur ein Händchen voll Katz. Solange die Kleinen noch gesäugt werden mußten, konnte die junge Mutter nicht zu Kräften kommen. Sie war schwach, kränklich. Als die Jungen entwöhnt waren und die Jugend dann schließlich aus dem Haus, ging es mit ihr und ihrer Gesundheit rapide aufwärts. Sie wurde unglaublich temperamentvoll, verspielt, ein Wildfang und auch ganz schön zickig und anspruchsvoll. Sie war sichtlich unausgelastet, unausgeglichen, launisch, bestimmt nichts für ältere Herrschaften. So jemand wäre mit diesem Energiebündel nicht zurecht gekommen. Zum Glück verliebte sich ein junges Ehepaar in diesen Kobold.
Laura wurde mitgenommen und entpuppte sich als genau die Katze, die die jungen Leute gesucht hatten. Und andererseits waren diese Leute auch genau richtig für Laura. Deren Liebe und Aufmerksamkeit ließen sie alle Zickigkeit vergessen und sie wurde eine muntere, zu allen Streichen bereite, liebe Katze.

Nach einigen Wochen wurde Laura für ein paar Tage zurück ins Heim gebracht. Aufgrund eines Todesfalls in der Familie mußten die jungen Leute kurzfristig verreisen und auf die schnelle ließ sich kein Cat-Sitter für Laura finden.

Wir waren begeistert von dem liebevollen und ausgeglichenen Geschöpf, das da wieder zu uns kam. Auch Laura erkannte ihre alten Pflegerinnen wieder und freute sich, sie wiederzusehen. Nach ein paar Besuchstagen im Speckweg aber war sie nur allzu froh, als "ihre" Menschen sie wieder nach Hause holten und alle drei sind rundum glücklich.

Dusty, Teil II
Erinnern Sie sich noch an Dusty, den kleinen Kater mit dem kompliziert gebrochenen Bein ? Nun, Dustys Bruch verheilte glänzend. Schon bald durfte er deshalb seine Box verlassen und im Vermittlungszimmer herumlaufen. Laufen? Nach einem kurzen Erkundungsgang war es mehr ein Tollen: Bällchen unter die Heizung kollern, auf die Aussichtsbank springen, auf der Veranda herumtollen, den Kratzbaum auf seine Standfestigkeit hin testen.
Dusty war glücklich, sich wieder richtig austoben zu können, seine Sehnen und Muskeln auf Vordermann bringen zu können. Hinken? Wer sagte, daß er hinken werde? Kein bißchen! Geschmeidig, sicher, sprunggewaltig präsentierte sich der junge Herr.
 

Eines Tages kam Sheitan ins Zimmer: Klein, erst ein halbes Jahr alt, ein Wildgeborener. Er war vor ein paar Wochen eingefangen worden und mußte erst Menschen kennen lernen, lernen ihnen zu vertrauen. Und er lernte, er sah zu, beobachtete. Unglaublich schnell faßte er Vertrauen zu seiner Pflegerin, dann zu Menschen insgesamt und so dauerte es nicht lange bis er zahm war und zur Vermittlung anstand. Auch hier beobachtete er alles, besonders auch die Katzen um ihn herum. Die Katzendamen und älteren Kater beachteten ihn überhaupt nicht. Er schien Luft für sie zu sein, aber Dusty beschnupperte ihn öfter und auch Sheitan stellte fest, daß Dustys Geruch sehr angenehm ist und es stand für ihn fest: Der Kater ist mir sehr sympathisch, ich habe einen Freund! Von nun an tollten zwei schwarze Kater durch das Zimmer: Nachlauf, Fangen, Anschleichen, Angreifen, Verteidigen, die ganze Kladde der Katzenspiele rauf und wieder runter: 'mal war Dusty oben, dann Sheitan. Wüsteste Prügeleien (ohne Krallen aber mit viel Show) wurden zur Unterhaltung den Zimmergenossen geboten. Nach dem Spielen schlief man zufrieden inein-ander verschlungen oder Po an Po. Die beiden waren ein Herz und eine Seele.

So setzte sich sehr bald im Katzenheim die Erkenntnis durch, diese beiden können nur gemeinsam vermittelt werden. Aber jemanden zu finden, der zwei schwarze Kater nimmt, würde nicht ganz leicht werden. Viele unserer Besucher wollen nur ein Tier, einen Spielkameraden für ihre "Erstkatze" oder sie stehen noch am Anfang ihrer Katzen-Beziehung und wollen erst einmal sehen, wie sie mit einem Partner Typ "felis domestica" zurechtkommen. Und dann war das Problem, daß hier ja zwei schwarze Kater nebeneinander standen. Wie unterscheidet man die beiden? Noch ist ein Größenunterschied aufgrund des Alters zu sehen, aber in einem Jahr habe ich zwei stattliche, schöne Kater vor mir - und wer ist dann wer? So mußten die beiden etwas länger auf ihr neues Zuhause warten, was sie aber gemeinsam mit Fassung ertrugen. Solange sie zusammen waren, war die Welt in Ordnung. Seit ein paar Wochen sind sie nun vermittelt und Mittelpunkt im neuen Heim. Sie toben durch die Wohnung und genießen es, die neue Umgebung gemeinsam zu erkunden und sich anschließend jeder von "seinem" Menschen verwöhnen zu lassen. Toben ist gut, jagen ist gut, schmusen aber ist noch besser!


Ceasar - ein Lob auf die Freiheit?
Caesar lebte in einem Gartengelände, eine ganze Kolonie Schrebergärten mit Gartenhäuschen, Büschen, Bäumen, Rasen war sein Revier. Ideal zum Sonnen, zum Springen, zum Toben. Außerdem kamen an schönen Tagen nette Gartenbesitzer und brachten Caesar etwas zu essen mit, oder es fielen von deren Mittagstisch Köstlichkeiten für ihn ab. Caesar war ein schöner Kater, graugetigert mit weiß und sehr kontaktfreudig. Kein Wunder, daß er im Sommer immer schön rund und fett wurde von den Leckereien, die er sich erbettelte. Auch im Winter kamen die Besitzer einer Parzelle häufig und brachten Futter, so daß er nicht wirklich hungern mußte. Dennoch meldete an manchen Abenden sein Magen ihm, daß er diese Nacht dringend versuchen müsse, Mäuse zu fangen. Mäuse gab es zwar, doch nicht übermäßig viele. Ausreichendes Jagdglück war ihm nicht immer beschieden und so blieb ihm an manchem Morgen nur die Hoffnung auf Menschenbesuch und ansonsten das Träumen vom Schlaraffenland. So sah das Frühjahr immer einen erheblich schlankeren Kater! Da Caesar sehr zutraulich war, wurde er von einem Ehepaar so gut wie adoptiert. Sie ließen ihn kastrieren und sorgten dafür, daß er auch im Winter ein halbwegs warmes Plätzchen im Garten hatte. Dennoch war sein Leben kein reines Zuckerschlecken. Es war artgerecht, aber nicht unbedingt bequem und gemütlich.

Caesar wurde nach seiner Kastration sehr häuslich. Er blieb im Frühjahr nicht mehr tagelang verschwunden, um dann mit Kratz- und Bißwunden wieder aufzutauchen, er blieb in den Gärten. Das Ehepaar hatte seine Freude an ihm. Mit nach Hause nehmen konnten sie ihn nicht, aber sie freuten sich immer auf "ihren" Kater, wenn sie in den Garten gingen. Doch eines Tages schlug die Freude um in Trauer, Entsetzen, Mitleid. Statt des munteren Katers fanden sie ein Häufchen Elend. Caesar lag apathisch am Gartenhäuschen. Statt zur Begrüßung zur Gartentür zu rennen, bewegte er sich nicht. Als er gestreichelt wurde, schnurrte er nicht, sondern verkrampfte, versteifte sich. Caesar war verletzt, er hatte Schmerzen. Hier im Garten würde er nicht bleiben können, er brauchte dringend ärztliche Hilfe, Betreuung, Pflege. Das Fell an seinem Bauch war verschmutzt, blutig. Da das Ehepaar Caesar nicht zu sich nehmen konnte, gaben sie ihn nach Rücksprache bei uns ab. Caesar war ja trotz allem herrenlos, ein Wildling, auch wenn er nicht mehr "wild" war. Er wurde sofort zum Tierarzt gebracht: Er hatte einen Bauchbruch - von einem Schlag mit einem harten Gegenstand, einem Tritt.....? Caesar mußte operiert werden.

Dank seiner guten Verfassung erholte der Kater sich schnell. Die Operation war schon nach ein paar Tagen vergessen. Caesar sprang munter im Gehege herum. Er war sehr menschenfreundlich. Wer auch immer in die Nähe des Geheges kam, wurde sofort von ihm begrüßt. Er kam ans Gitter, rieb den Kopf an den Drahtmaschen, maunzte, tretelte vor Begeisterung. Er zeigte, daß er Menschen sehr mochte, daß er mit Menschen zusammen sein wollte. Auch verspürte er offensichtlich keine Lust, wieder in die Freiheit entlassen zu werden. Die Wärme der Heizung gefiel ihm, die regelmäßigen Mahlzeiten, die Pflegerinnen, die Besucher hatten es ihm angetan. Nur die anderen Katzen störten ihn, auf die hätte er gerne verzichtet, die hielt er sich auf Distanz.

Ein so zahmer und kontaktfreudiger Kater blieb dann auch nicht lange im Heim. Schon zwei Wochen nach der Operation, die Fäden waren gerade gezogen, das Fell am Bauch aber noch lange nicht nachgewachsen, eroberte er sich die Herzen von zwei Besuchern. Es war Liebe auf den ersten Blick und Caesar ging ohne Zögern oder Sträuben in den hingehaltenen Transportkorb. "Ja, zu diesen Menschen möchte ich. Gartenkatze ade! Jetzt werde ich meinen Lebenstraum verwirklichen und als Stubentiger, Sofadekoration, Bettvorleger, Heizkissen Karriere machen!"

Ein Ausflug zu einem "Messy"
Gerade war es nach dem letzten "Herbstschub" wieder etwas ruhiger bei uns geworden und die jungen Kätzchen aus dem Gröbsten, da erfuhren wir von einem neuen Notfall. Ein Tierarzt informierte uns über ein Problem, auf das er gestoßen war: Eine Katzenbesitzerin war überraschend verstorben, ihre acht Katzen wurden nun zwar vom Lebenspartner versorgt, auf die Dauer aber sei eine artgerechte Haltung dieser Tiere nicht gewährleistet. Durch diese Information aufgeschreckt, wurde beschlossen, umgehend sich zu kümmern. Acht Katzen auf einen Schlag aufzunehmen ist aber auch für uns nicht ganz einfach. Telefonate mit befreundeten "Tierheimen" lösten das Problem insofern, daß die sich bereit erklärten, vier der Tiere zu übernehmen. Nur einfangen und abholen konnten sie sie wegen Personalknappheit nicht. Nun ja, ob nun vier oder acht Katzen aus einer Wohnung abgeholt werden sollten, war kein großer Unterschied, vorausgesetzt, das Transportproblem war gelöst. Vier Katzenkörbe brauchen entschieden weniger Platz im Auto als acht und einen Transporter oder Kombi für solche Fälle hat das Katzenheim nicht. Zum Glück gibt es liebe Freiwillige, die ihr Auto zur Verfügung stellen und im Zweifel zweimal fahren.

Frohgemut und gut gerüstet mit Transportkörben traf unser Abhol-Team etwas vor der angegebenen Zeit vor dem Haus ein. Ein normales Wohnhaus mit mehreren Ein-Zimmerwohnungen. Warum sollten unsere Damen auf den Hausmeister warten? Sie wußten ja, daß die Katzen abgegeben werden sollten, warum also nicht den Katzenhalter direkt ansprechen? Aufs Klingeln wurde auch sehr schnell geöffnet, aber der Mann hinter der Tür war nicht ganz das, was unsere Damen erwartet hatten. Er war angetrunken, wußte angeblich von nichts und wollte auch keine Katzen abgeben. Rums, die Tür war wieder zu! Ratlos setzte man sich nun zwischen die Katzenkörbe auf die Treppenstufen und wartete auf den Hausmeister. Der erschien dann auch sehr bald und nahm sich des Problems an. Er kannte den Mann, dieser hatte Vertrauen zu ihm - "er würde die Sache schon schaukeln". Voll zarter Hoffnung im Herzen ging es mit den Katzenkörben wieder vor die Wohnung. Der Hausmeister wurde eingelassen, zu einem Bier eingeladen, bei dem die Bedenken des Mannes schließlich zerstreut wurden und auch unseren Damen wurde die Tür geöffnet.

Aber ganz so einfach war das Betreten der Wohnung doch nicht. Es war die Wohnung eines "Messys"! Wir alle kennen das Problem, daß man Sachen wegwirft, die man kurz darauf wieder gut gebrauchen könnte, und wir alle kennen die Kruschelecken in unserer Wohnung, in denen sich Dinge anhäufen, die wir nicht wegwerfen wollen, weil sie vielleicht noch einmal nützlich werden könnten ......! Und wir alle wissen auch um das fatale Eigenleben, die diese Dinge dann entwickeln, indem sie sich zu vermehren scheinen und jedem Ordnungsversuch trotzen. Hier war die ganze Wohnung eine einzige Kruschelecke. Absolut nichts war in der letzten Zeit weggeworfen worden. Leere Bierdosen, volle, leere Flaschen, Plastiktüten mit und ohne Inhalt, leere Kartons, Zeitungen, Papier, Kleidungsstücke usw. stapelten sich bis fast unter die Decke. Zum Tisch mit zwei Stühlen führte nur ein enger Trampelpfad. Unter dem Tisch stand Katzenfutter, schon ziemlich vergammelt. Zwei Damen und acht Katzenkörbe hatten absolut keinen Platz in dieser Wohnung. Schon eine Dame mit einem Korb hatte Schwierigkeit sich zu bewegen, geschweige denn Platz, den Korb richtig hinzustellen.

Da wirklich nur enge Trampelpfade zu Tisch und Badezimmer führten, das Fenster aber absolut unerreichbar war, war auch schon länger nicht mehr in der Wohnung gelüftet worden. Es stank! Und die Katzen, wo waren die? Die hatten sich im Müll verborgen. Die Tiere hatten keine Schlafplätze, sondern suchten sich Schlafecken, wo sie eben Platz finden konnten. Sie krochen in Zwischenräume, die sie sich schufen. Jetzt war die Schwierigkeit, die Tiere überhaupt zu finden, Geduld war angesagt, aber darüber verfügen unsere Damen und über Erfindungsgeist. Da Katzen neugierig und meist auch verfressen sind, brachte das Klappern mit einer Brekkies-Schachtel schließlich Resultate. Nach und nach kam ein Stubentiger nach dem anderen aus seinem Versteck. Es dauerte aber dennoch mehrere Stunden, bis alle Katzen eingefangen waren, denn es konnte ja immer nur ein Korb im Zimmer sein. Jeder "gefüllte" Korb mußte im Treppenhaus deponiert werden, damit ein neuer, leerer hereingereicht werden konnte. Acht mal Tür zu, Katzenstandort orten, warten, Korb bereithalten, zugreifen, Tier in Korb setzen, Korb schließen, Korb aus der Tür reichen, - nächster Korb ......

Obwohl erst davon die Rede war, daß ein Tier in der Wohnung verbleiben sollte, war der Mann dann schließlich doch bereit, daß alle Tiere mitgenommen wurden. Abgabeverträge wurden ausgefertigt, der Mann eingeladen, wann immer er wollte, seine Ehemaligen zu besuchen und ab ging es zum Speckweg. Unsere Helfer waren überglücklich, die Tiere aus dieser Umgebung herausgeholt zu haben, gleichzeitig aber auch waren sie völlig verdreckt und wie erschlagen.

Die Eingewöhnungszeit für unsere Messy-Katzen war eine extrem kurze. Während andere Tiere ihren verlorenen Wohnungen und Menschen nachtrauern, freuten sich diese offensichtlich über die geschenkten Räumlichkeiten und die Sauberkeit. Sie hatten Körbe, in denen sie sich ausstrecken konnten, Spielzeug und vor allem Raum, um einem Bällchen nachzujagen. Die acht fühlten sich pudel(!)-wohl, begrüßten die ihnen neuen Menschen von Anfang an freudig und fanden es phantastisch, daß sie sich endlich frei bewegen konnten und auch Ansprache hatten. Wen wundert es, daß sich unsere Tierpfleger dann doch nicht von der Hälfte der Tiere trennen konnten. Der anderen Organisation wurde abtelefoniert, worüber sie nicht sehr traurig waren, denn welches Tierheim leidet nicht unter Platznot?

Alle acht blieben bis zur Vermittlung im Speckweg. Zum Glück waren alle acht Katzen problemlos, wenn auch die Weibchen nicht kastriert waren, was schnellstens nachgeholt wurde. Kein Tier war unsauber, keines verhaltensgestört. So dauerte es nicht lange, bis alle ein neues, passendes Zuhause gefunden hatten. Übrigens der ehemalige Katzenbesitzer hat seine Tiere nie besucht, obwohl er angab, seine Tiere würden ihm alles bedeuten - letztendlich war er sicher froh, diesen "Ballast" los zu sein. Wie kann man auch acht Katzen in einer Ein-Zimmer-Wohnung halten, das ist auf jeden Fall falsche Tierliebe!

  Tony
Tierarzt? Wozu, die Natur hilft/heilt sich selbst! Wer hat diesen Ausspruch nicht schon oft gehört? Nur dumm, daß die Natur manchmal recht stümperhaft arbeitet. So geschah das in Tonys Fall. Tony war ausgesetzt. Sein Leben war nicht einfach, aber er kam zurecht, er war ja noch jung und wußte sich zu helfen. Und dann geschah der Unfall. Er verletzte sich am Hinterbein. Die satanischen Schmerzen ließen zwar im Laufe der Wochen nach, aber das Laufen blieb schmerzhaft. So konnte er sein Leben draußen nicht mehr meistern.

Also mußte er sich schleunigst nach einer Alternative umsehen: Menschen, die bereit waren, ihn zu adoptieren wurden gebraucht. Er suchte sich eine mitleidige Seele, zeigte sich ihr und heftete sich an ihre Fersen.

Die Dame, der er zulief, war Katzenliebhaberin und -kennerin, konnte jedoch auf Dauer kein eigenes Tier aufnehmen. Diesmal merkte sie jedoch, daß der neue Kater nicht nur ein Zuhause brauchte, er brauchte entschieden mehr, der hatte nämlich Schmerzen. Obwohl der Bruch schon einige Wochen zurücklag, "verheilt" war, tat Tony jeder Schritt weh. Sie nahm das kranke Tier und ging mit ihm zum Tierarzt. Doch die Ärztin konnte nicht viel machen und riet, den Kater in erfahrene Hände zu geben. So landete Tony nach einem langen, ausführlichen Telefonat bei uns und wir ver-sprachen der Dame, alles zu tun, damit die Katze wieder glücklich wird. In solchen Fällen kann nur eine Tierklinik mit einem guten Chirurgen helfen und so brachten wir Tony nach Obertshausen zu dem selben Arzt, der auch schon Dusty so erfolgreich operiert hatte. Die Diagnose stimmte keinen im Heim glücklich. Tonys Bruch war etwas ganz heikles, der Kater konnte schlichtweg nicht mehr laufen. Seine Kniescheibe war gerissen, geplatzt und die Sehne hatte sich verkürzt. Dann war die Kniescheibe in der Kniekehle fälschlicherweise angewachsen. Jeder Schritt verursachte dem Kater unheimliche Schmerzen und die Schmerzen würden nie verschwinden. Was sich da im Bein verschoben und zusammengefügt hatte, war - von seiten der Natur her - Pfusch in höchstem Grad! So konnte es nicht bleiben.

Tony wurde daher zweimal operiert, er mußte eine Woche in der Klinik bleiben. Danach durfte er mehrere Wochen nicht frei laufen, Aufenthalt in der Box war angesagt. Jeden Tag aber standen Spezialübungen an, bei denen das Beinchen gestreckt wurde. Tony war tapfer. Seine Geduld und die seiner Pflegerin wurden belohnt. Nach und nach wurde das Laufen besser, müheloser, die Sehne beweglicher. Der Eingriff hatte Erfolg gehabt. Tony wird in Zukunft wieder be-schwerdefrei laufen können und hoffentlich wird er bald ein gutes Zuhause finden, denn ein solch geduldiger und vernünftiger Kater hätte es wirklich verdient.


Anton
Anton lebte notgedrungen in Freiheit. Schönen lauen Sommernächten standen viele Regen-, Schnee- und Hageltage und -nächte gegenüber. Darüber hinaus war er es leid, ständig Hunger zu haben. Also suchte er sich eine Familie. Seine Auserwählten hatten ein schönes Eigenheim mit Garten; dumm nur, daß im Haus außer den Menschen auch zwei Kater wohnten. Diese Figuren nahm Anton nicht für voll, denn sie rochen nicht nach Kater und waren auch viel zu sanft und nachgiebig. Sie ließen sich von Anton sofort einschüchtern, Anton hatte sie fest im Griff - wenn er auftauchte, tauchten die beiden anderen ab!

Dies aber behagte den beiden Alteingesessenen nicht. Sie wurden scheu, verstört, verschüchtert, was wiederum deren Menschen gar nicht gefiel. Sie liebten ihre Kater. Sie wollten nicht, daß diese von einem Eindringling, der inzwischen sehr zugänglich war, vertrieben würden und so blieb nur eine Lösung. Anton mußte kastriert werden und er würde danach sein Verhalten bestimmt ändern. So kam der Katzen-schutzverein ins Spiel. Man schilderte den Fall und Anton wurde zunächst bei uns abgegeben. "Seine" Menschen waren aber durchaus verantwortungsbewußt und um den Streuner besorgt. Sie mochten den Macho, auch wenn er für ihre beiden Kater zuhause untragbar war. Sie wollten für Anton das Beste. So wurde vereinbart, daß Anton zwar abgegeben war, kastriert werden sollte, für den Fall aber, daß Anton letztendlich unzähmbar ist und seiner verlorenen Freiheit nachtrauern sollte, zurück in den Garten der Familie konnte. Anton würde dort als "Halbwilder" sein Futter und auch einen Unterschlupf für schlechtes Wetter erhalten, das Haus aber wäre ihm verschlossen ge-wesen.

Doch das Schicksal verfügte anders über Anton. Mit der Aufnahme ins Heim wird auch automatisch ein FIP- und Leukose-Test durchgeführt und Anton wurde zunächst als FIP-positiv diagnostiziert. Dieser erste Test aber ist nicht immer ein endgültiges Urteil. Es passiert häufiger, daß gerade die frisch aus der Freiheit eingelieferten Tiere zuerst positiv sind, ein paar Wochen später aber ein negatives Ergebnis zeigen. Antons ehemalige Pflegeeltern aber wollten dieses Risiko mit ihren Katern nicht eingehen, Anton würde also auf keinen Fall in den Garten zurückkehren können.

Nun hatte Anton Zeit, sich im Heim von der Kastration zu erholen und sich endlich an ein Leben ohne die "große Freiheit" zu gewöhnen. Mit dem Verlust seiner Männlichkeit verschwand auch Antons Macho-Gehabe. Er freundete sich mit den anderen Katzen an, spielte mit ihnen und war ganz zart. Er wollte nicht mehr der Boss sein. Am Fenster in der Sonne zu liegen, auf die nächste Mahlzeit zu warten und dazwischen mit den Pflegerinnen zu schmusen, war ihm nun ganz wichtig. Der Kontakt zu Menschen wurde ihm immer bedeutender. Wann immer sich ein Mensch blicken ließ, Anton rannte auf ihn zu, belegte ihn mit Beschlag, wollte schmusen, schmusen!
Nach ein paar Wochen wurde Anton erneut getestet und nun war er gott sei dank FIP-negativ und so konnte er zur Vermittlung freigegeben werden.
 

Da er mittlerweile sich mit den anderen Katern gut vertrug, konnte er unbesorgt auch als Zweitkatze abgegeben werden. Anton hatte großes Glück, er kam als Kamerad zu einem Kater, der wie Anton ehemals eine freilebende Katze war und jetzt in einer Wohnung lebt zu Menschen, die Erfahrung mit solchen Katzen haben. Beide sind nun reine Wohnungskatzen. Die große Welt lockt sie nicht mehr. Sie ziehen ihre regenfeste, gut geheizte Wohnung mit den schönen bequemen Polstermöbeln und den liebevollen Menschen der ungewissen "Freiheit" vor. Es sind gerade solche Katzen, die unheimlich anhänglich werden und für die es lohnt, am Anfang Geduld aufzubringen. Wir sind jedenfalls über die gelungene Vermittlung äußerst glücklich.

Desiré - unsere Asylantin
An einem kalten Novembermorgen war er/sie da, ein weiß/grauer Schatten im Garten des Katzenschutzvereins. Eine unserer Tierpflegerinnen sah die flüchtende Gestalt und erschrak. Es wird doch keine unserer Katzen trotz zweifach Sicherung aus einem der Gehege entwischt sein?
 

Ein kurzer Blick auf die friedlich schlafende Gesellschaft in den Gebäuden ließ sie aufatmen. Nein, die waren alle da, wo sie hingehörten und räkelten sich genüßlich vor, über, unter und auf den Heizkörpern, also ein Gast!

Den Tag über ließ sich der Gast nicht blicken. Am Abend wurde eine Schüssel mit Futter in den Garten gestellt. Auch am folgenden Morgen huschte wieder ein grauer Schatten davon, als das Hoftor geöffnet wurde. Die Schüssel war leer. Eine herrenlose Katze? Da die nächsten Wohnhäuser weiter entfernt stehen und riesige Gemüsefelder zwischen ihnen und dem Heim liegen, war es nicht wahrscheinlich, daß sich ein "Freigänger", eine Katze, die ein Zuhause hat, aber nachts auf Entdeckungsreise geht, noch so spät am Morgen im Speckweg herumdrücken würde. Die waren um die Uhrzeit, gegen 9 Uhr, alle schon zu Hause beim Frühstück! Die achten nämlich sehr genau auf die Uhr. Sie wissen, wann Herrchen und Frauchen das Haus verlassen und sorgen dafür, daß sie vorher in der Wohnung sind, um dort dann die Tages"wache" auf dem Bett oder dem Lieblingssessel zu übernehmen. Außerdem waren die Nächte nun schon empfindlich kalt und naß und verführten nicht zu ausgedehnten Nachtwanderungen! Es war wohl anzunehmen, daß es sich bei dem "Gast" um eine herrenlose Katze handelte, die nach Futter gesucht hatte und ein geschütztes - zumindest vom Regen geschütztes - Plätzchen bei den Gehegen gefunden hatte. An diesem Abend wurde eine Falle aufgestellt und als man später nachsah, war der Gast eingefangen. Es wäre falsch zu sagen, daß das Tier, das in der Falle saß, glücklich war. Sie hatte Angst, machte aber nicht den Eindruck des gefangenen Wildtiers. Sie fauchte den Menschen, der die Falle wegtrug, nicht an, versuchte nicht, die Wände niederzureißen, sondern schien verhältnismäßig ruhig. Kaum war die Katze im Zimmer und aus der Falle befreit, legte sich ihre Angst. Das Tier saß ruhig in der Box, reagierte mit Schnurren auf Zureden. Unser Neuzugang war eine ganz liebe, zutrauliche Katzendame, wohlgenährt, nicht mehr ganz taufrisch (etwa 8 Jahre) und sehr vertrauensselig. Sie war froh, wieder unter Menschen zu sein, froh, aus der Kälte in die Wärme gekommen zu sein. Desiré, so wurde sie getauft, ließ sich bald in ihrem Körbchen nieder und schlief. Sie schlief mit kleinen Unterbrechungen für die Mahlzeiten zwei ganze Tage lang, dann erst sah sie sich ihre Umgebung näher an. Und jetzt wartet sie darauf, daß jemand kommt und sich mit ihr beschäftigt. In die Kälte und Nässe draußen möchte sie nicht, aber schmusen! Sie hatte ganz offensichtlich Menschen, die sich um sie kümmerten, aber wir haben nicht gehört, daß sie irgendwo vermißt wird. Wie sie auf der Straße landete und ihren Weg zu uns fand, werden wir leider nie erfahren. Wir konnten sie jedoch bald darauf in ein neues, schönes Zuhause vermitteln.

Für Lisa
Meine Katze ist ein Schätzchen
hat rosa/weiße Krallentätzchen
M i r ist sie ein großer Schatz
- alles tu ich für die Katz!
Weiß - rot - schwarz erglänzt ihr Fellchen
und sie hascht nach ihren Bällchen
wieselflink und voller Anmut.
Sie hat Würde, sie hat Anstand
und sie ist ein stolzes Tier.
Ihr Vertrauen schenkt sie mir.
Eines Tages ist sie gekommen
und hat Wohnung hier genommen,
teilt ihr Leben jetzt mit mir.
Liebe Katz, ich danke Dir!


 
     
 
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