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  Katzenpost 03

Globalisierung

Mademoiselle jubilierte: Ihre Firma würde sie im Rahmen ihrer Tätigkeit für drei Wochen nach Frankfurt schicken! Und die Bedingungen waren durchaus großzügig: Nicht nur das Flugticket wurde von der Firma bezahlt, sie würde auch die Unterkunft zur Verfügung stellen, zwar keine große Wohnung, doch ein möbliertes Appartement. Mirni, eine wunderschöne schwarze Perserkatze in den besten Jahren, war eine reine Wohnungskatze, sehr sanft, sehr lieb. Ein schönes Plätzchen am Fenster, an dem man dösen oder aus dem man hinaussehen konnte, waren das, was sie brauchte, und das hatte das Zimmer doch sicher zu bieten. Mimi war selbstverständlich kastriert, geimpft, erfreute sich bester Gesundheit. Gegen eine Mitnahme nach Frankfurt sprach absolut nichts.

So nahmen denn eines Tages Mademoiselle und Mimi Besitz von ihrem Zimmer in Frankfurt. Alles lief prima, bis nach etwa 14 Tagen der Vermieter vor der Tür stand. Die Katze war unerwünscht, mußte 'raus, hätte nie in die Wohnung gebracht werden dürfen. Mademoiselle war entsetzt. Damit hatte sie nie gerechnet. Natürlich hätte sie sich vorher erkundigen müssen, aber sie hatte einfach nicht daran gedacht. Was sollte sie jetzt tun? Sie konnte doch Mimi nicht einfach auf die Straße setzen! Man einigte sich darauf, daß Mimi noch zwei Tage Schonfrist eingeräumt würden, dann aber mußte sie verschwunden sein.

Nun war guter Rat teuer. Es war Freitag, Mademoiselle hatte gerade das Wochenende, um für Mimi eine neue Bleibe zu finden. Es handelte sich zwar nur noch um eine Woche, danach ging es zurück nach Paris, aber wer sollte Mimi diese Woche übernehmen? Wem konnte sie sie anvertrauen, wer hatte überhaupt die Möglichkeit? Sie telefonierte ihre Bekannten in Frankfurt durch. Von den paar Leuten, die sie kennengelernt hatte, war keiner in der Lage, Mimi für eine Woche aufzunehmen. Aber einer hatte eine Idee: "Vielleicht konnte der Frankfurter Katzenschutzverein helfen"? Mademoiselle rief am Samstagmorgen an, Verzweiflung in der Stimme und schilderte ihr Problem. Nun, normalerweise kann das Katzenheim keine "Pensionsgäste" aufnehmen, schön wäre es ja, aber die Personalsituation und die Räumlichkeiten lassen es einfach nicht zu. Doch hier lag eindeutig ein Notfall vor. Da Mimis Impfungen noch gültig waren, zum Glück war der Impfpaß da, war gewährleistet, daß sie keine ansteckenden Krankheiten einschleppte, also durfte Mademoiselle Mimi abgeben.

Eine halbe Stunde nach dem Telefonat stand Mademoiselle mit ihrer Katze überglücklich im Büro im Speckweg. Mimi wurde im Vermittlungszimmer einquartiert und fühlte sich gleich sehr wohl. Mimi, die angebliche Einzelkatze, fand die Katzengesellschaft toll. Gleichgesinnte, wohin sie blickte und sie machte sich mit allen bekannt und freundete sich sofort mit Sophie an, deren Körbchen sie schon am gleichen Abend teilte. Als Mademoiselle am Sonntag vorbeikam, um ihren Liebling zu besuchen, bekam sie vor Erstaunen große Augen: Mimi fühlte sich pudelwohl, war gar nicht traurig, daß sie nun eine Woche Urlaub unter Katzen machen sollte.

Samstag ging es zurück nach Paris. Und wer weiß, vielleicht wird Mademoiselle sich eine Freundin für Mimi aus dem Pariser Tierheim holen.

  Paulchens gewundener Weg ins Glück
Herr und Frau H sind Tierfreunde. Als sie noch jünger waren, hatten sie immer Hunde. Doch Hunde brauchen viel Auslauf, sie müssen ausgeführt werden auf schönen langen Spaziergängen. Und wenn der treue, alte Gefährte stirbt, siegt oft die Vernunft und es kommt kein neues, junges Energiebündel ins Haus, dem man sich nicht mehr gewachsen fühlt. So waren nun die Hs ohne Hund, hatten aber nach wie vor ein großes Herz für Tiere.

Als im Frühjahr die Tage länger wurden, fiel ihnen in der Nachbarschaft ein kleiner getigerter Kater auf. Er schien nirgendwo hinzugehören. Er stromerte in den Vorgärten herum, suchte bei den Mülltonnen nach Futter, hockte 'mal hier, 'mal da in ruhigen Winkeln, aber war im Grunde immer auf der Straße.

Gespräche mit Nachbarn ergaben, daß auch ihnen die Katze schon aufgefallen war, daß aber niemand wußte, wohin das Tier gehörte. Also stellten die Hs Futter vor die Tür. Es wurde mit Begeisterung aufgenommen. Bald war der Tigerkater auch nicht mehr ängstlich, sondern sehr zutraulich, ließ sich streicheln, kam mit ins Haus. Das schien für ihn überhaupt das Wahre zu sein: Ein Haus mit Heizung, weichen Schlafplätzen, Menschenhände zum Kraulen. "Paulchen" war ganz offensichtlich da, wo er hingewollt hatte, wo er seiner Meinung nach hingehörte. Die Hs waren überrascht, verwundert, glücklich und ratlos in dieser Reihenfolge. Eine Katze war ihnen als Gefährte neu, aber sehr angenehm! Paulchens Schnurren, seine Anhänglichkeit, sein seelenvoller Blick waren unwiderstehlich.

Paulchen war offensichtlich Menschen gewöhnt. Vielleicht war er jemanden weggelaufen und er wurde schon verzweifelt gesucht? Die Hs verbreiteten in der Nachbarschaft, daß ihnen ein Tigerkater zugelaufen sei, hängten Zettel aus, niemand meldete sich. Also blieb Paulchen. Sein Benehmen im Haus war vorbildlich, warum sollte er also nicht auch Familienmitglied werden? Aber da war der schon gebuchte Urlaub. Was sollte während dieser Zeit mit Paulchen werden? Paulchen war etwa 9 Monate alt, nicht kastriert und wohl auch nicht geimpft. Katzenpensionen aber nehmen nur kastrierte und geimpfte Tiere, und für diese "Vorbedingungen" war die Zeit bis zum Urlaub schon zu knapp. Der Urlaub, auf den man sich so gefreut hatte, war nun lange nicht mehr so verlockend, machte ein schlechtes Gewissen. Wegen des Urlaubs müßte Paulchen zurück auf die Straße?!

In diesem Dilemma verfielen die Hs auf den Frankfurter Katzenschutzverein. Es ist richtig, der Verein ist zwar keine Tierpension, dazu fehlen die Räumlichkeiten, aber vielleicht wußte man dort Rat. Und im Ernstfall müßte man Paulchen dort sowieso abgeben, denn zurück auf die Straße verbannen, das wollten die Hs auf keinen Fall. Mit viel Willen von beiden Seiten wurde abgesprochen, daß Paulchen in den nächsten Tagen als Fundtier abgegeben wird, damit in den Besitz des Katzenheims übergeht, von den Hs aber gleich nach ihrem Urlaub "adoptiert" werden würde, dann aber kastriert! Die Hs waren selig. Der Urlaub war wieder etwas, auf das man sich freuen konnte.

Doch ganz so einfach sollte es nicht werden. Inzwischen war Paulchen doch vermißt worden. Er gehörte einer Frau, die ihn und seinen Bruder in ihrem Garten hielt und fütterte. Paulchen hatte diese Art zu leben mißfallen und er hatte sich etwas gesucht, das mehr seinen Vorstellungen entsprach. Doch auch hier glättete sich die Situation. Mit viel Einfühlungsvermögen schafften es die Damen vom Katzenheim die Besitzerin zu überzeugen, daß es besser wäre, auf den Kater zu verzichten, da sie ihm ein solch Zuhause wie bei den Hs nicht geben konnte. Außerdem ist Paulchen ein Kater, der im Garten nicht bleiben würde, da er Menschen liebt und ihre Nähe sucht. Man würde auch den verbliebenen Gartenkater auf Heimkosten kastrieren.

Und das Ende der Geschichte? Durch einen plötzlichen Todesfall konnte die Familie H doch nicht den Kater zu sich nehmen; er wurde jedoch kurz darauf an ein Ehepaar als reine Wohnungskatze vermittelt und hat sich dort bestens eingelebt und genießt nun die Nähe mit seinen Menschen.

  Simba
Simba wurde in Freiheit geboren. Einfamilienhäuschen mit ihren Gärten bildeten für vier Jahre seinen Lebensraum. Bald fand er eine mitleidige Seele, die ihn in ihrem Garten fütterte. Simba war ein kontaktfreudiger Kater und das hieß, er war immer bestrebt

a) den Kätzinnen im Umkreis zu versichern und zu demonstrieren, wie begehrenswert, bezaubernd, und betörend sie waren,

b) den Katern klar zu machen, daß sie in dieser Gegend absolut überflüssig, unerwünscht, fehl am Platze waren.

Simba hatte wenig Zeit, sich "seiner" Wohltäterin zu widmen, er mußte ja seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen nachkommen. Im Frühjahr hatte er es am schwersten.

Seine Lieder erklangen an allen Ecken seines Gebietes. Und wenn er nicht sang, machte er seinen Rivalen mit tiefem Knurren, heftigem Fauchen und furchterregenden Schreien klar, wer hier der bessere Kater war. Frühling, Sommer und Herbst waren damit voll gestaltet. Im Winter hätte Simba eigentlich Zeit für seinen Menschen gehabt, doch da mußte er sich um warme Schlafplätze kümmern, und die waren rar. So kam er zwar sehr regelmäßig zum Fressen, verschwand dann aber schnell wieder in einem warmen Versteck.

Angeregt durch den Aufruf, Katzen aus Gründen des Tierschutzes generell kastrieren zu lassen, fing seine "Futterspenderin" Simba ein, brachte ihn zum Tierarzt. Simba wurde bearbeitet und durfte dann wieder in seine Gärten. Doch nun, da das Interesse an Katzendamenbekanntschaften in ihm schwand, wurde auch der Wunsch, Rivalen zu vertreiben, in ihm geringer. Simba wußte nicht mehr, warum er eigentlich fremde Kater hassen und vertreiben sollte. Er wurde plötzlich sehr "häuslich", blieb in "seinem" Garten und wandte sich seiner Wohltäterin zu. Wenn er sie sah, lief er zu ihr, strich ihr um die Beine, folgte ihr auf Schritt und Tritt, schenkte ihr seine ganze Zeit. Was er vorher an Aufmerksamkeit der Schar der Katzendamen zugewendet hatte, konzentrierte sich jetzt auf einen Menschen. Der Dame war das unheimlich. Sie mochte Tiere, aber mehr auf Distanz. Sie wollte nicht, daß Simba hungerte oder fror, aber einen Schoß und Schmusekater, der sie nicht mehr aus den Augen ließ und nach allen Regeln der Kunst belagerte, wollte sie auch nicht. Also wurde Simba wieder eingefangen und diesmal dem Frankfurter Katzenschutzverein übergeben. Er war ein schöner schwarzer Kater mit längerem Fell. Bestimmt würde er ein gutes Zuhause finden. Aber zunächst kam eine große Enttäuschung. Simba wurde, wie alle Neuzugänge im Katzenheim, medizinisch getestet und das Ergebnis war Leukose positiv! Die Hoffnung, den verschmusten, Menschen dringend benötigenden Simba vermitteln zu können, zerplatzte wie eine Seifenblase. Es gab sehr sehr lange Gesichter im Speckweg.

Eine der "Ehrenamtlichen" hatte sich spontan in Simba verliebt, wollte ihm ein Heim bieten und nun dies! Aber daß dieser muntere, liebe, prächtige Kerl positiv sein sollte, war schwer zu glauben. Nach vier Wochen wurde Simba noch einmal getestet und siehe da nun war er Leukose negativ! Da aber Leukose nicht einfach verschwindet, gab es für dieses Resultat nur zwei Möglichkeiten: Entweder das erste Testergebnis war falsch gewesen oder aber das zweite. Um endgültig sicher zu gehen, wurde noch einmal Blut entnommen und wieder negativ! Der Jubel im Katzenheim war groß, Simba konnte nun endlich vermittelt werden und besagte Dame nahm ihn zu sich.

Auf dem Heimweg aber meldeten sich bei ihr Zweifel an. Sie hatte sich restlos in Simba verliebt, richtig, aber was würde ihr Katzenpaar zu Hause zu dem Familienzuwachs sagen? Die beiden waren ihr ja schließlich auch ans Herz gewachsen und lieb und wert. Mit sehr gemischten Gefühlen wurde Simba ihnen vorgestellt. Die Kätzin nahm den Neuzugang nicht als Problem, sondern ignorierte ihn. Pinki fauchte gefährlich, machte sich groß und imponierend und Simba er reagierte überhaupt nicht darauf. Er wollte keinen Ärger, er wollte nur ein Zuhause, einen menschlichen Schoß, der andere konnte gern "Herr im Hause" bleiben und so ging auch diese Vermittlung gut. Wenn Frauchen nicht zu Hause ist, kommt Simba zu Pinki, legt sich neben ihn und sie hüten gemeinsam das Haus. Man versteht sich, teilt sich die Pflichten und Futter gibt es genug für alle, wieso also streiten?


"Herrchen gesucht"
Wir kommen ins Fernsehen, wir sind bei "Herrchen gesucht' eingeladen! Schon Tage vorher herrschte Aufregung im Katzenschutzverein. Sofort ging es ans Oberlegen: Welche Tiere stellen wir vor, wer soll sie präsentieren, wer hat Zeit zum Aufnahmetermin mit den Katzen ins Funkhaus zu fahren? Wer übernimmt den Telefondienst an dem Abend nach der Sendung? Schon bald war klar, unsere Tierpflegerin, Frau Maucolin, soll die Tiere im Aufnahmestudio vorführen. Sie weiß am besten über die einzelnen Katzen Bescheid, die Tiere kennen und lieben sie und lassen sich von ihr am ehesten beruhigen. Eines war allen klar: Keine unserer Katzen ist den Trubel und die Unruhe eines Fernsehstudios gewöhnt. Wir haben keine Hollywood Diven, sondern Frankfurter Alltag Charmer, Seelchen, zuweilen auch Angsthäschen! Also, welche der Katzen sollen vor die Kamera? Es können natürlich nur solche Tiere sein, die auch wirklich abzugeben sind. Unser Herzensbrecher und Prinz Charming, Putzi, der die Situation souverän meistern würde, kommt nicht in Frage, denn er ist als Boss unseres Heims unersetzlich. Die Suche muß sich auf Tiere aus dem "Vermittlungszimmer" beschränken. Die Katzen, die dort sind, suchen alle ein neues Zuhause, sind gesund, kennen einander, kommen miteinander aus.

So fällt die Wahl als erstes auf die beiden Pärchen, Katzen, die nur zusammen abgegeben werden können, Unzertrennliche. Sie sind nicht ganz einfach zu vermitteln, zumal wenn es sich um ältere Tiere handelt. Wer ins Heim kommt, um sich ein Kätzchen zu holen, will nicht unbedingt zwei betagte Exemplare aufnehmen! Also werden Mohrchen und Micki und Pepi und Cecilia gehen. Als die Idee überprüft wird, zeigt sich, wie richtig sie ist. Mohrchen ist zwar ein unglaublich dicker Kater, aber einfach umwerfend. Kaum hat ihn die Gruppe, die diskutierend im Zimmer steht, näher ins Auge gefaßt, kommt er auch schon, schnurrt um die Beine, wirft sich auf den Boden, präsentiert seinen Bauch zum Streicheln und da hat man weiß gott etwas zu tun! Er und sein Bruder sind noch nicht lange im Heim, sie sind abgegeben worden, weil die Besitzerin starb beide brauchen eine Familie, die sie liebt. Dasselbe gilt auch für Pepi und Cecilia, die nicht mehr gewollt waren, weil ein Baby kam. Als nächstes wurden die bildschöne Nanni und die getigerte Sinah ausgewählt. Auch die Begleiterinnen und der Fahrer, der sie alle zur Sendung bringt, sind ausgesucht und auch der Telefondienst ist geregelt.

Der "große Tag" beginnt für die Katzen ganz normal, doch draußen herrscht Spannung. Die Leinchen und Geschirre sind zurechtgelegt, das Auto steht bereit, die Transportkörbe warten, zusätzliche Tücher sind schon im Auto (für den Fall, daß die Aufregung bei den Katzenstars zu einem Malheur führt). Um 12 Uhr werden die Showkandidaten in ihre Körbchen gesetzt, ins Auto verfrachtet und das Abendteuer beginnt. 13 Uhr Ankunft im Sendehaus am Dornbusch. Hier wird den Tieren ein Aufenthaltsraum zugewiesen, der den Katzen vorbehalten ist. Die Tiere bleiben bis zu ihrem Auftritt in ihren Körbchen, in denen sie sich sicher fühlen, betreut von ihren Menschen. Außerdem sind die Körbchen mit Tüchern verhängt, damit die unbekannte Umgebung sie nicht ängstigen kann; die Situation erinnert an das Wartezimmer beim Tierarzt.

Und auf einmal geht alles ganz schnell: Mohrchen und Micki werden aus ihren Behältern gehoben, Mohrchen guckt völlig verdutzt, wollte er doch gerade ein Nickerchen machen.

Nun steht er plötzlich in einem Raum mit hellen Scheinwerfern und fremden Menschen. Er wird auf ein Podest gesetzt, er und sein Bruder sind nun Zentrum der Aufmerksamkeit. Bevor Mohrchen die Situation richtig genießen kann, ist er schon wieder in seinem Korb! Nun ist Nanni an der Reihe, sie ist nervös, sie will nicht vor die Kamera. Sie wehrt sich, sie versucht zu fliehen, bringt aber nur die Notizzettel der Moderatorin zum Absturz. Sie selbst landet dann im sicheren Griff von Frau Maucolin. Da Nanni ein intelligentes Tier ist, erkennt sie sofort die Stimme, den Geruch ihrer Betreuerin, die sie beruhigt und kann nun problemlos vorgestellt werden.

Um etwa 15 Uhr sind wieder alle heil und gesund im Heim.

Für die kätzischen Fernsehstars gibt es eine Sonderration

Futter, für das menschliche Team das Gefühl, ihren

Schützlingen eine Chance für eine gute Zukunft verschafft

zu haben. Voller Hoffnung geht man auseinander.
 

Und, sich die Aufregung gelohnt? Man hatte nach der Sendung zwei Nachmittage für die Vermittlung eingeplant und auch am 1. Mai war das Heim geöffnet.
Allein an diesem besagten Tag kamen 10 Interessenten. Alle vorgestellten Tiere konnten bestens vermittelt werden und auch einige nicht TV Stars fanden neue Familien.

Zur Frage, sollen unsere Katzen auch in Zukunft bei der Sendung dabei sein, lassen wir vielleicht eine der Beteiligten zu Worte kommen, unseren Perser Mix "Nanni": Der Tag selbst war nicht so schön, ich hatte etwas Angst, besonders als ich im Funkhaus die vielen fremden Menschen roch und das Bellen der Hunde aus dem Nebenraum vernahm. Aber alles ist halb so wild im Nachhinein betrachtet, denn ich habe ein Zuhause bei einer älteren, alleinstehenden Dame gefunden, die mir zu Füßen liegt und nun bin ich die uneingeschränkte Herrscherin über die Wohnung. Wer denkt da noch an die kleinen Unannehmlichkeiten ich würde sagen, Fernsehauftritt zu diesem Zweck immer!

Und an dieser Stelle ein dickes "Dankeschön" an alle, die mir zu einer neuen Familie verholfen haben. Ich weiß, daß es nicht nur die sind, die wirklich im Funkhaus waren, sondern sehr viele mehr, die für mich besser für uns zusätzliche Arbeit hatten, ihre Freizeit opferten, um uns diese Chance zu bieten.

Wenn Sie nun meinen, wir hätten keine Katzen mehr für Sie im Heim, haben Sie sich (leider) geirrt. Es treffen fast wöchentlich neue Katzen ein. Schon im März wurden die ersten kleinen Kätzchen dieses Jahres von einer abgegebenen trächtigen Mutter, die nicht mehr operiert werden konnte, im Heim geboren. Aber das ist eine andere Geschichte.


Mutterglück im Speckweg
Mohrchen war abgegeben worden. Die Besitzer zogen weg und konnten sie nicht mitnehmen. Mohrchen ist eine sehr schöne schwarze Katze, zwei Jahre alt und nicht kastriert. Als sie abgegeben wurde, war es Anfang März und Mohrchen war natürlich trächtig, hoch trächtig! Sie eröffnete den Reigen der jungen Katzen Mitte März mit ihrem Wurf von fünf entzückenden schwarzen Winzlingen, eines davon ein langhaariges Etwas. Mohrchen als routinierte Mutter hatte keine Probleme. Mit Sonnenaufgang kam das erste Junge zur Welt. Mohrchen durchbiß die Nabelschnur, leckte das Kleine sauber, ließ es sich "seinen" Platz an der Milchbar suchen, entspannte sich und bald darauf war Nr. 2 auf der Welt usw. Bis 10 Uhr war alles überstanden und Mohrchen ruhte stolz in der Schar ihrer Kinder.



Als eine an Menschen gewöhnte Katze hatte sie keinerlei Probleme mit den Pflegerinnen, die an ihre Box mußten, um Bettchen und Toilette zu säubern, Futter und Wasserschüsseln auszuwechseln. Sie ließ sich auch gern loben, streicheln, ihre a ys ewun ern. Sie wußte sich und ihre Kleinen völlig sicher. Die Kleinen gediehen prächtig. Wie im Lehrbuch öffneten sie die Augen nach 10 Tagen, aus den Anfangs sehr tapsigen und wackligen Bewegungen wurdebald ein Krabbeln, dann wurden die Hinterbeinchen kräftiger iger, onnten das ew c t es örpers ragen, aus dem Taumeln wurde ein sicheres Gehen; nun fing die Umgebung an, interessant zu werden, die Bewegungen der Kleinen wurden koordinierter, geschickter. Die hilflosen, fiepsenden kleinen Stück Fell haben sich zu munteren jungen Kätzchen gemausert, 5 Mädchen! Das langhaarige "Zottelchen" hat den Teufel im Leib. Sie will spielen, raufen, balgen, ihre Schwestern können ein Lied von ihrer Lebensfreude singen. Klar, daß diese Familie bald aus der Wurfbox in eines unserer "Mutter mit Kind Eigenheimen" umzog. Dort bietet ein kleiner Hof, Kratzbaum und das Häuschen Kletterund Springmöglichkeiten für die Energiebündel.

  Rosi
war eine freilebende Katze, die sich auf Hinterhöfen in Berlin durchschlagen mußte, bis sie von Katzenfreunden hochträchtig eingefangen und nach Frankfurt gebracht wurde (wir berichteten im letzten Heftchen davon). Rosi kannte Menschen nur als Bedrohung, Menschen bedeuteten für sie Gefahr. Jetzt mußte sie in Frankfurt erst lernen, daß es auch andere gab, Menschen, die ihr helfen wollten, die sie liebten.
Als die Jungen auf die Welt kamen, war Rosi schon etwas zutraulicher geworden, sie akzeptierte die Pflegerin, die sich um sie kümmerte, sonstige Besucher aber waren ihr noch unheimlich.

Auch sie wartete bis zum Morgen, bis die Geburt begann. Rosi brachte nur zwei Junge zur Welt, eines davon war leider nicht lebensfähig. Aber "Bubu" ist ein prächtiger Junge, rot/weiß wie seine Mutter, ein bildschöner Kater. Rosi ist enorm stolz auf ihn, läßt inzwischen aber auch zu, daß er von der Pflegerin in die Hand genommen und gestreichelt wird. Sie selbst ist immer noch distanziert und fühlt sich in ihrer Wurfbox am wohlsten. Die Box ist groß und geräumig und stundenweise wird seit einiger Zeit die Tür zu ihrer Box offen gelassen, sie kann zu ihren Berliner Freunden, wann immer sie will, aber noch will sie nicht. Sie ist glücklich mit Bubu, der es durchaus zu schätzen weiß, daß Mutter nur für ihn da ist. Spielkameraden vermißt er nicht, wie sollte er auch? Er hat ja Mutters Schwanz zum Fangen, Mutters Ohren zum Hineinbeißen und Mutters Bauch, um darauf herumzutollen.

Nina
Sie war als ehemalige Freigängerin hochträchtig bei uns im Heim abgegeben worden und gebar hier ein 5 er Pack, hübsche Tigerchen. Obwohl sie inzwischen recht zutraulich geworden war, mit der Ankunft ihrer Jungen aber sah Nina in allem eine Gefahr für ihre Kleinen. Aus der sanften Katze wurde eine ihre Jungen beschützende Tigerin. Sie ließ niemanden an ihre Jungen heran. Die waren ihr! Es wurde schon zum Problem, den leeren Futternapf aus der Box zu holen, wenn Nina wieder ihren besonders mißtrauischen Tag hatte. Hack , Hühnerfleisch und Thunfischbrocken dienten dann als Ablenkungsmanöver. Mit wachsender Selbständigkeit der Kleinen wird sie nun wieder sanfter und weniger wehrhaft. Doch hat sie es immer noch am liebsten, wenn man ihre Jungen aus der Distanz bewundert.Zu guter Letzt:

Trinchen. Sie ist ein lieber schwarz/weißer Persermix und gehört einem jungen Mann, der ein Herz für Katzen hat. Er nahm sie auf, als sie als Streunerin in seiner Nachbarschaft auftauchte, obwohl dort schon 8 unkastrierte Katzen zu versorgen waren. Da die finanzielle Lage des jungen Mannes sehr angespannt war, scheute er den Gang mit Trinchen zum Tierarzt und so stellte sich der Katzensegen ein (zwei süße, weiß/schwarze langhaarige Fellbündel). Das konnte nun die Wohnung doch nicht mehr verkraften und der junge Mann bat den Frankfurter Katzenschutzverein um Hilfe. Trinchen wird für die Zeit, bis ihre Jungen alt genug für die Vermittlung sind, bei uns im Heim bleiben, anschließend kastriert und dann an den jungen Mann zurückgegeben. Außerdem wurden auch all die anderen unkastrierten Katzen auf unsere Kosten unfruchtbar gemacht.


Dusty
Dusty ist ein Lebenskünstler, besser ein Überlebenskünstler. Ausgerechnet im Wonnemonat Mai hatte er einen Unfall, er brach sich sein rechtes Hinterbein. Dusty hatte Schmerzen, große Schmerzen. Viele Tage lang wollte und konnte er nicht aufstehen, der kaputte Knochen schmerzte höllisch, die Knochenenden bohrten sich wie Nadeln ins Fleisch. Nach Hause laufen war daher unmöglich und essen konnte er auch nichts. So verkroch er sich, blieb liegen, ignorierte den Hunger, versuchte ihn zu verschlafen. Nur ganz langsam wurde es besser, der Bruch tat nicht mehr so weh und so schleppte er sich, auf drei Beinen laufend, zu einer nahegelegenen Futterstelle, endlich!

Der Dame, die die Futterstelle betreut, fiel das neue, völlig abgemagerte, hinkende Kerlchen auf und sie wollte ihm helfen. Nach Rücksprache mit dem Frankfurter Katzenschutzverein und der Versicherung, daß das Tier dort aufgenommen wird, wurde eine Falle aufgestellt und Dusty eingefangen. Er wurde sofort zum Tierarzt gefahren und untersucht, Diagnose: Splitterbruch eine Aufgabe für eine Tierklinik und das hieß hohe Kosten. Aber was war die Alternative? Dusty war noch so jung!! Falls man nicht operieren würde, würde zwar der Bruch einigermaßen verheilen, doch durch die Splitter würde er ewig Schmerzen beim Laufen haben! Also ging es ab in die Klinik. Dusty wurde geröntgt. Da der Bruch schon am Zusammenheilen war und natürlich schief zusammenwuchs, mußte der Knochen wieder gebrochen werden, neu zusammengesetzt, die Splitter entfernt und ein Nagel eingesetzt werden, der die Teile zusammenhält. Dusty überstand die Narkose und die Operation gut, schon nach zwei Tagen durfte er die Klinik verlassen und kam zurück in den Speckweg.

Dort galt es nun für ihn, sich mit der neuen Umgebung anzufreunden. Die Pflegerinnen im Katzenheim waren anfangs sehr besorgt, wie Dusty auf den Käfig zwar ein geräumiger, aber dennoch ein Käfig reagieren würde. Und wie würde er sich gegenüber Menschen verhalten? War er zugänglich oder eher ablehnend? Dusty nahm alle Veränderungen als positive Entwicklung. Es gab Futter, genug Futter, gutes Futter (Dusty ist zur Zeit auf "Aufbaufutter" gesetzt: Whiskas für Katzenkinder, gekochtes Hühnchen, Frischfleisch, Thunfisch). Das Beinchen tat nicht mehr weh, die Menschen waren lieb und nett. Dusty zeigte allen: Hier gefällt's mir, hier bleib ich gern, ich mag Menschen.  

Da sein Bruch auch in den nächsten Wochen noch Schonung braucht, Dusty nicht auf dem Beinchen herumspringen und tollen soll, darf er die Box für ein paar Wochen nicht verlassen. Das beeinträchtigt aber nicht seine Lebensfreude. Dusty hinkt auf drei Beinchen in seiner Box herum, springt auch schon auf das Aussichtsbrett in der Box, freut sich, wenn seine Pflegerin zu ihm kommt, begrüßt sie, schnurrt, läßt sich streicheln und ist sehr zutraulich und verschmust. Sein Beinchen bietet natürlich noch einen bemitleidenswerten Anblick: Der Oberschenkel ist kahl rasiert, das fehlende Fell läßt den Oberschenkel noch dünner erscheinen, als er aufgrund von Dustys Abgemagertsein eh schon ist, der lange Operationsschnitt! Aber die Heilung schreitet voran, in drei Monaten wird der Nagel entfernt. Dann ist Dusty wieder "wie neu". Es kann zwar sein, daß der Oberschenkel etwas kürzer geworden ist, da ja Knochenteile entfernt wurden, aber das wird Dusty nicht behindern. Er wird wieder auf seinen vier Beinchen herumtollen. Da er von niemandem gesucht wird, findet er sicher bald ein neues Zuhause bei einer netten Familie.


Und das wird eine Geschichte über "Sissy"
Mehr davon im nächsten Heft, freuen Sie sich schon heute darauf!



 
     
 
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