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27.10.2008
Kokkinos

Ja; Sou, Kokkinos, ich kenne Dich sehr gut und weiß, wen Du in Dein großes Katzenherz schließt, dem wirst Du ein ganzes Leben lang danken. Du warst eine meiner Lieblings-Rhodier und immer, wenn ich die Insel wieder verlassen musste, hofft ich, Dich beim nächsten Urlaub wieder lebend vorzufinden. Die Ecke, an der Du leben musstest, war eine sehr gefährliche. Hier mussten schon viele von Euch ihr Leben lassen, auch Bianca wurde überfahren. Du hattest Glück!

Dein neues Revier war nun der Kinderspielplatz, kein idealer Platz für eine Katze. Die Gefahr, dort eines Tages vergiftet zu werden, war sehr groß, deshalb musstest Du schnellstens von dort weg. Ich weiß, dass es Dir nun saugut geht im neuen Zuhause, das hat mir Dein Frauchen schon verraten. Du weißt ja, dass Du manchmal wie ein Hund sein kannst, jedenfalls bist Du mir auf Rhodos immer nachgelaufen wie ein Hund. Du hast außerdem die heißeste Katzenstimme, die ich je gehört habe und ich finde, dass Du eine ganz tolle Katze bist. Dein zartes "Mie" werde ich nie vergessen. Ich wünsche Dir alles Gute und habe Dich ja auch inzwischen schon besucht. Dein neues und schönes Leben hast Du Frau Maucolin zu verdanken, denn ohne die Hilfe und Fürsorge des Frankfurter Katzenschutzvereins hätte ich Dich nicht mitbringen können.

Und nun möchte ich berichten, wie es war, bevor ich Kokkinos mit nach Frankfurt nehmen konnte.

Ich – das rote Katerchen – wurde irgendwann im Herbst auf der Insel Rhodos geboren. Als Streuner lebte ich zusammen mit meinem Bruder – der mir zum Verwechseln ähnlich sah – in Rhodos Stadt. Von einer "Katzenkindheit" konnten wir nur träumen, wir hatten niemals ein Katzenbällchen zum Spielen oder eine Streicheleinheit von einer liebevollen Hand bekommen. Manchmal wurden wir auch gejagt und der ständige Hunger machte uns das Leben nicht gerade leichter. Mein Zuhause war die Straße, mein Schlafplatz das Gebüsch, ich hatte keinen Namen und immer einen traurigen Gesichtsausruck, wie alle griechischen Katzen.

Wenn wir älter werden, lebt in uns griechischen Katzen nichts mehr, wir sind leer, müssen um das Überleben kämpfen, haben täglich denselben Trott, Hunger und Durst. Viele von uns sind nach 2-3 Jahren völlig ausgemergelt, werden überfahren und jedes Jahr vor Saison-Beginn werden Katzen "vergiftet". Das hiesige Tierheim findet das in Ordnung, statt uns Katzen zu helfen, lassen sie uns umbringen. Unser Leben ist schon schwer genug. In den langen heißen Sommermonaten müssen die meisten Katzen ohne einen Tropfen Wasser auskommen, doch diese Monate sind für uns nicht unbedingt die schlechteste Zeit des Jahres. Denn wenn die Touristen auf unsere Insel kommen, haben manche von ihnen mit uns Mitleid und wir das Glück, etwas zwischen die Zähne zu bekommen, In den Wintermonaten, wenn die Hotels geschlossen sind und die Mülltonnen uns keinen Abfall mehr bieten, geht es uns richtig dreckig. Um das Elend zu vergessen, schlafen wir dann immer sehr viel, ein trostloses Katzenleben.

Doch dann, ein Jahr später, änderte sich für mich und meinen Bruder ganz plötzlich unser Leben!!!

Wie aus dem Nichts stand sie da, mit Tüten voller Katzenfutter! Ich bekam das erste Mal in meinem Leben keine Abfälle mehr, sondern Dosenfutter, ja richtiges Dosenfutter und Brekkis und ich konnte mir den Bauch voll schlagen, wurde richtig aufdringlich und wollte mehr Futter und drängelte mich immer vor. Und dann sagte sie Worte, wie "alter Fresssack und Nimmersatt" zu mir, was immer das bedeutete.

Wir alle wurden reichlich versorgt und lebten in dieser Zeit wie im Schlaraffenland. Mein Bruder, der Charmeur, umgarnte die Touristin jeden Tag, der schnurrte wie ein Weltmeister und gab ihr auch noch "Köpfchen" und lief ihr nach. Also mein Ding war das nicht. Ich knurrte lieber. Irgendwann wurde mein liebenswertes Gegenstück in eine Transportbox gesetzt, denn die medizinischen Voraussetzungen für den Flug nach Deutschland standen an und mein "verschleppter" Bruder bekam den Namen EROS verpasst und er fand auch bald in Deutschland ein wunderschönes Zuhause.

Für mich war die Sonnenseite des Lebens leider noch nicht in Sicht. Weil ich beim Fressen immer aus der Rolle fiel, aus Futterneid alle Katzen um mich herum verprügelte und somit die ganze Futter-Ecke aufmischte, musste ich in Rhodos bleiben. Ich war ihr deshalb nicht böse und musste oft an sie und die Dosen denken und hoffte auf ein Wiedersehen – und es gab ein Wiedersehen. Sie kam noch oft zurück und sorgte für unser Wohl.

Es wurde Mai – ich war mittlerweile mehr als ein ausgewachsener Kater und steckte mein Revier ab und nun stand ihre Mutter vor mir und fütterte uns alle mit den guten Sachen. So wurden wir Jahr für Jahr im Mai, im Juni und im Oktober verwöhnt. Oft kam auch ein Grieche vorbeigefahren und brachte uns Nudeln mit etwas Dosenfutter drin und Brekkis. "Häppchen", die uns im Winter am Leben hielten. Das hatte sie organisiert. Sie hatte uns alle sehr in ihr Herz geschlossen. Und wann immer sie wieder nach Frankfurt flog, nahm sie immer welche von uns mit nach Deutschland.

Ich war noch nicht soweit, weigerte mich, wollte mich nicht in diese Box stecken lassen. Ich breitete meine Beine aus und schon klappte gar nix mehr, ich war dann für die Kiste zu breit. Sie war dann sehr traurig und sagte – nach dem dritten Versuch, mich in die Box zu verfrachten – etwas von einem "Affenaufstand" und hoffentlich klappt es nächstes Jahr.

Mein Problem war, dass ich keine fremden Katzen in meinem Revier duldete und ich verteilte gerne und mit Vorliebe Hiebe und Schläge. Natürlich musste ich mich ab und zu stärkeren Gegnern stellen und sah nach einem Kampf oft ziemlich ramponiert aus. Dann nannte sie mich ‚"Prügelknabe" und "Stinkstiefel" und meinte, dass das so nicht weitergehen kann und ich wurde von einer europäischen Organisation kastriert.

Nun war ich kastriert und mein Wesen veränderte sich. Aus mir wurde eine liebevolle Persönlichkeit mit einer faszinierenden Ausstrahlung, mein Fell wurde immer länger und dichter und ich auch. An Prügeleien hatte ich plötzlich null Interesse und so verließ ich das Revier der unkastrierten Katzen und lebte an einer anderen Ecke und wartete auf den deutschen Dosenöffner. Und sie kam tatsächlich wieder und suchte mich überall an der "alten Katzen-Ecke" und als sie mich dann fand, begrüßte sie mich auf den Knien liegend und sie nannte mich "Plattfuß-Indianer", "Dickerchen" und "Fettsäckchen" (irgendwie alles passend). Ich überschlug mich fast vor Freude, rannte ihr nach, gab ein zartes "mie-mie" nach dem anderen von mir – und jetzt war mir klar, ich wollte endlich weg aus diesem Dasein, sogar diese Kiste wollte ich akzeptieren, ich wollte nach Deutschland und ich freute mich auf ein Zuhause.

Es war wieder Oktober geworden und dann war es soweit, sie stand mit einer Box in der Hand und mit SIRPA im Schlepptau. Ich ließ mich diesmal ganz brav ohne "Affenaufstand" in diese Kiste stecken und sie brachten mich mit dem Auto zum Tierarzt. Meine erste Autofahrt, ich schrie und meckerte und musste nun auch die übliche Untersuchung und Ausreise-Prozedur über mich ergehen lassen. Sie nannten mich "Kokkinos" und ich habe mir meinen Namen redlich verdient. Irgendwann saßen wir – ich und die kleine Kätzin - dann im Flieger zu ihren Füßen und landeten kurz vor Mitternacht in Frankfurt. Ich durfte die erste Nacht meines Lebens in einer Wohnung verbringen und fand das ganz klasse. Den nächsten Tag kamen wir in die fürsorglichen Hände von Frau Maucolin, der Tierheimleiterin des Frankfurter Katzenschutzvereins und ich wartete, sehr liebevoll versorgt, auf mein Zuhause, was nicht lange auf sich warten ließ. Alle schlimmen Erfahrungen, mit denen ich auf Rhodos fertig werden musste, gehören nun der Vergangenheit an.

Ich möchte mich bei allen mit einem „dicken Miau“ bedanken.

 

 

 
     
 
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